Seit Adam und Eva werden Menschen bei ihrer Geburt in "Mann" und "Frau" eingeteilt und anhand der zugewiesenen Geschlechterrolle sozialisiert und behandelt. Doch es gibt auch Personen, die aufgrund ihrer biologischen Merkmale nicht eindeutig in eine der beiden Kategorien passen oder auch welche, die in dem dichotomen Geschlechterdenken keinen Platz für sich finden können und deshalb zwischen den geschlechtlichen Grenzen wandeln. Es gibt auch Personen, die mit dem Gang zwischen den Geschlechtern spielen und dies auf künstlerische Weise zum Ausdruck bringen, indem sie die Geschlechterrolle kreativ und performativ anhand von Drag-Shows, präsentieren. Wie der Grenzgang zwischen den Geschlechtern genau ausschaut, wird dir hier erzählt...:

Intersexpersonen sind aufgrund ihrer biologischen Merkmale weder eindeutig männlich noch weiblich. Ihre genetische, hormonelle und anatomische Veranlagung weicht von der medizinischen Vorstellung von "Mann" und "Frau" ab und sie können deshalb keinem der beiden Geschlechter eindeutig zugeordnet werden. Viele der Intersexpersonen werden schon schnell nach ihrer Geburt medizinisch behandelt, um sie "passend" für ein Geschlecht zu machen. Dabei werden ihre Genitalien operativ dem auserwählten Geschlecht angeglichen und häufig werden sie dabei auch sterilisiert, um eine "falsche" Hormonausschüttung zu vermeiden und damit sich ihr Körper medizinisch kontrolliert entwickelt, wofür sie sich dann aber ihr Leben lang einer Hormonersatztherapie unterziehen müssen. Die medizinische Behandlung wird häufig deshalb gemacht, damit sie einer Geschlechterkategorie zugehörig erklärt werden können und um somit zu vermeiden, dass sie aufgrund ihrer geschlechtlichen Uneindeutigkeit aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Durch dieses Vorgehen soll versucht werden, sie besser in die zweigeschlechtliche Gesellschaft integrieren zu können. Viele der Intersexpersonen leiden unter dieser medizinischer Behandlung, weil sie sich dazu gedrängt fühlen und sich in der Gesellschaft nicht repräsentiert und zugehörig fühlen.

Transpersonen hingegen besitzen ein eindeutiges biologisches Geschlecht, fühlen sich aber in dieser Geschlechterkategorie nicht wohl, sondern haben eine andere individuelle geschlechtliche Selbstwahrnehmung. Manche fühlen sich in ihrem Körper nicht wohl (Dysmorphophobie) und leiden deshalb unter einem gewaltigen psychischen Druck, welcher sie auch in ihrem alltäglichen Leben hindert und möchten sich der anderen Geschlechterkategorie zuordnen können. Dafür müssen diese in psychologische Betreuung, um nachher ihren Körper medizinisch umgestalten zu können. Biologisch weibliche Personen unterziehen sich deshalb einer Hormontherapie, wo sie Testosteron zu sich nehmen, was dazu führt, dass ihr Körper vermännlicht, ihre Stimme tiefer wird, sie einen Bart bekommen und auch die Muskeln und das Fettgewebe sich umgestaltet. Zudem lassen diese ihre Brüste (Masektomie) und ihre Gebärmutter (Hysterektomie) entfernen und sich ein männliches Glied formen (Phalloplastik). Biologisch männliche Personen nehmen die Hormone Antiandrogen und Östrogen, um somit eine Verweiblichung des Körpers, wie Veränderung der Gesichtszüge, Brustwachstum, usw., zu erwirken. Zudem lassen sie sich Brüste aufbauen (Brustaugmentation) und ihr Genital operativ dem weiblichem Geschlecht anpassen.

Auch können Transpersonen rechtlich erwirken, dass sie ihren Namen und ihren Personenstand ändern können und sie somit in ihrer auserwählten Geschlechter-kategorie leben können. Es gibt auch Personen, die sich weder dem einen Geschlecht, noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, oder auch beiden oder sich irgendwo dazwischen einordnen. Diese versuchen meist, sich androgyn und geschlechtsneutral zu geben und mit verschiedenen Darstellungen von Geschlecht zu experimentieren.

Es gibt weitere Personen, die mit den Geschlechterrollen und den stereotypen Zuschreibungen spielen und diese übertrieben zur Schau stellen. Viele machen dies anhand von Drag-Shows, wo sie auf einer Bühne die Geschlechterrolle und Geschlechterklischees nachahmen und künstlich darstellen. Wir kennen alle Szenen, von Männern*, die in knalligen Kleidern und mit viel Schminke als "Frau" auftreten, oder von Frauen*, welche mit Bart und Anzug auf der Bühne stehen und wahnwitzige Shows bieten, in welchen sie die stereotypen Vorstellungen des präsentierten Geschlechts zur Schau tragen.

In Innsbruck gibt es zum Beispiel die Terpentinen, eine Gruppe von Drag-Queens, die sowohl bei Shows als auch bei Theaterstücken die Kunst der Travestie darbieten. Hier hat dies meist nichts mit der geschlechtlichen Selbstwahrnehmung zu tun, sondern hier können die Personen durch diese Performance die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit auskundschaften und die Rollenbilder "Mann" und "Frau" durch Übertreibung ad absurdum führen. Auch wird dies häufig als sozialpolitisches Statement verwendet, um aufzuzeigen, dass es innerhalb des heteronormativen bipolaren Geschlechtersystems noch weitere Geschlechter gibt.

Es gibt eine Vielfalt von individuellen Geschlechterwahrnehmungen und auch von Geschlechterdarstellungen, bei denen es nicht immer leicht fällt, die Grenze zwischen beiden Geschlechterkategorien "Mann" und "Frau" zu ziehen. Viele Menschen befinden sich im Zwischenbereich und spielen mit den Geschlechterrollen. Ob es deshalb unbedingt die Grenze zwischen den Geschlechtern braucht? Das Spiel mit den Geschlechterrollen kann aufregend und bereichernd sein...;-)

"Youʻre born naked and the rest is Drag!" RuPaul, bekannte Drag Queen.

Bildquelle: Ailura (Own work) CC BY-SA 3.0 - Wikimedia Commons #Gesundheit