Die Erben jüdischer Kunsthändler fordern per Klage die Herausgabe des Welfenschatzes ein. Laut Begründung der Anwälte wurde die Sammlung unter Druck an die Nazis verkauft.

Der millionenschwere Welfenschatz ist seit Jahren Gegenstand eines Rechtsstreits zwischen den Erben der Kunsthändler und der Bundesrepublik Deutschland.

Im Jahr 2014 hatte die sogenannte Limbach-Kommission, benannt nach der ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, erklärt, dass es keine Hinweise auf NS-Raubkunst in diesem Fall gebe.

Anwalt zweifelt Ergebnisse der Limbach-Kommission an

Das bezweifelt der amerikanische Anwalt Nicholas M. O'Donnell, der deshalb Klage beim US-Bundesgericht in Washington eingereicht hat. Die Klage richtet sich auch gegen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die den Kirchenschatz zurzeit verwaltet. „Die Weigerung der deutschen Regierung, die Verluste der Opfer anzuerkennen, die zwar ihr Leben, aber nicht ihren Lebensunterhalt und Besitz retten konnten, steht in krassem Gegensatz zu Deutschlands historischer Verpflichtung“, sagte der Bostoner Anwalt während einer Pressekonferenz in Berlin.

Kulturstaatsministerin und Stiftungspräsident bleiben gelassen

Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters reagierte gelassen. Ihr seien keine neuen Fakten zu dem Fall bekannt, antwortete sie auf Anfrage der FAZ. Die Bundesregierung orientiere sich weiterhin an den Ergebnissen der Limbach-Kommission.

Auch der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Prof. Hermann Parzinger, zeigte sich verwundert. Die Erben - Alan Philipp aus London und Gerald Stiebel aus den USA - hätten das Gremium damals selbst angerufen, würden dessen Ergebnisse jetzt jedoch nicht anerkennen.

Mehrjährige Nachforschungen

2008 erhoben die Erben – ein Enkel und ein Großneffe der Kunsthändler - Anspruch auf die legendäre Sammlung. Die Kunstgegenstände wären keinesfalls freiwillig und auch unter Wert an die Nazis verkauft worden. Daraufhin wurde die Limbach-Kommission zu Rate gezogen, um den Verkaufsprozess offenzulegen. Die „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“ konnte nach mehrjähriger Nachforschung keinen Beweis für einen unrechtmäßigen Erwerb durch das NS-Regime finden.

Da die Ergebnisse der Kommission nicht rechtsverbindlich sind, ist mit einem langjährigen Rechtsstreit zu rechnen.

Der Kirchenschatz sei unter Wert verkauft worden

Das aus vier jüdischen Kunsthändlern bestehende Konsortium kaufte den Schatz 1929 der Welfen-Familie für 7,5 Millionen Mark ab und verkaufte ihn 1935 an den preußischen Staat. Die damaligen Besitzer hätten den Schatz für ein Drittel des eigentlichen Wertes verkaufen müssen. Seitdem war er Teil der Sammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums (ehemals Schlossmuseum) und ist heute eine Hauptattraktion der Berliner Museen.
Vor wenigen Tagen wurde zudem bekannt, dass das Land Berlin den Welfenschatz in das Verzeichnis des national wertvollen Kulturguts aufgenommen hat und er damit unter den höchsten deutschen Kulturschutz gestellt wurde. Somit sei die Ausfuhr der Sammlung oder einzelner Teile nur mit Genehmigung des Kulturstaatsministeriums möglich.

Der wertvollste Kirchenschatz des Mittelalters wird auf 260 Millionen Euro geschätzt. Die 82 Goldschmiedearbeiten aus dem 11. bis 15. Jahrhundert kamen im 17. Jahrhundert in den Besitz des ältesten Fürstenhauses Europas, welches u.a. mehrere englische Könige und Königinnen stellte. #Kunst