Im beschaulichen Niedersachsen geht die Angst um. Grund dafür: Der Wolf. Eine Anwohnerin will ihn abends in der Nähe eines Waldkindergartens im Landkreis Vechta gesehen haben. Aus dem Landkreis wurden seit Anfang Dezember 2014  neun tote und zehn Schafe mit Bissverletzungen registriert. Zur Zeit ist noch völlig offen, ob es tatsächlich der Wolf war. Nun haben die Eltern der Waldkinder Angst, der wilde Geselle könne ihre Kleinen anfallen. Daher werden diese zukünftig wahrscheinlich hinter einem Elektrozaun spielen. Möglicherweise ist der einsame Wolf in Niedersachsen nur ein Hirngespinst. Fakt ist, dass seit 2000 wieder Wölfe in Deutschland leben. Im Jahr 2014 wurden 34 Wolfsrudel oder Paare in unseren Wäldern gesichtet. Müssen wir Angst haben, wenn Canis Lupus plötzlich vor uns steht? Laut einer Studie des Norwegischen Institutes für Naturforschung geht von gesunden Wölfen keine Gefahr für den Menschen aus, denn wir gehören nicht zu ihrem Beuteschema. In den seltenen Fällen, bei denen es zu Tötungen kam, handelte es sich um tollwütige oder an den Menschen gewöhnte Wölfe. Sicherlich wäre es fahrlässig, den wilden Vertreter aus der Familie der Hunde (Canidae) als total harmlos zu beschreiben. Schließlich handelt es sich dabei um ein Raubtier, jedoch mit hauptsächlichem Appetit auf Huftiere. Außerdem ist es zur Zeit eher unwahrscheinlich bei einem Waldspaziergang einem einzelnen Wolf zu begegnen, zumal diese Tiere bekanntermaßen eher im Rudel leben. Wahrscheinlicher ist da schon der Kontakt mit Wildschweinen, und das sogar fernab von Wald und Flur. Die intelligenten Allesfresser fühlen sich nämlich mittlerweile in der Nähe von Menschen sehr wohl. In Berlin haben sich witzige Zeitgenossen schon überlegt, man könne den Bären im Wappen doch durch das Wildschwein ersetzen. In der Hauptstadt haben sich mittlerweile rund 4000 Tiere angesiedelt und machen nicht nur die Vorgärten unsicher. Auch Friedhöfe werden gelegentlich umgegraben. Wildschweine mögen Blumenzwiebeln, Fallobst, Gemüseabfälle vom Komposthaufen und auch Gartenabfälle. "Deswegen sollte man nichts im Garten liegen lassen oder über den Zaun werfen, was die Tiere anlockt" rät ein Experte. Bei Konfrontation gilt: Ruhe bewahren und nicht auf das Tier zugehen, sondern sich zurückziehen. Das Schwein darf nicht in Panik geraten, besonders bei einer Bache mit Frischlingen ist Vorsicht geboten. Grundsätzlich aber sind wilde Schweine so wie Wölfe. Sie gehen dem Menschen lieber aus dem Weg, das ist wissenschaftlich bewiesen. Zu den natürlichen Feinden der Wildschweine zählt der Wolf. Hier schließt sich der Kreis: Sollten wir irgendwann die Wildschweine wieder erfolgreich in den Wald zurückgedrängt haben, könnte sich der Wolf in jedem Fall artgerecht ernähren. Dann werden wir bestimmt wieder ruhig schlafen, ohne unsere Vorgärten einzäunen zu müssen, oder müssen wir das gar nicht? Gute Nacht, Großmutter... jh