Fantasy gilt als ein höchst umstrittenes Genre, das vor allem durch ihre literarisch erschaffene Welten ein konstantes Plätzchen in unserer Kultur gefunden hat. Die Wurzeln der Fantasy gehen auf die alten Sagen und Märchen der Antike zurück, die von überirdischen Welten und deren Wesen und Helden erzählen. Eben diese überirdischen, oft magischen, oder einfach andersartigen Welten bilden den Grundstein der Fantasy - was sich in dem fundamentalen Begriff des Weltenbaues widerspiegelt. Das Fantasy-Genre ist ein hoch künstlerisches Genre, das dem Autor eine gewisse Schöpferkraft abverlangt und auch im Hinblick auf die alten Mythen, ein uraltes Bedürfnis des Menschen widerspiegelt, diese Welten mit ihren magischen Variablen zu erschaffen. Als Vorreiter des Fantasy-Genres zählen der deutsche Romantiker E.T.A. Hoffmann mit Werken wie Der Sandmann oder Mary Shelley mit ihrem berühmten Frankenstein. Als die heutigen großen Namen der Fantasy-Literatur zählen allen voran Autoren, wie J.R.R. Tolkien oder C.S. Lewis, die dieses Genre mehr als alle anderen geprägt haben, und deren Namen längst zum kulturellen Bewusstsein gehören. Die Aussage, dass etwa Der Herr der Ringe zur angesehenen Literatur zählt, von Kindern als auch von Erwachsenen gelesen, und nicht etwa Trivialliteratur ist, wird überall auf Anklang treffen. Wieso haftet dem Genre trotzdem dieser negative Beigeschmack des Trivialen an?

Fantasy als Trivialliteratur?

Fantasy wird verbunden mit Drachen und Zauberern, Zwergen und Elfen oder Elben und den bösen Wesen - den Orks, Goblins, Riesen und Trollen. Viele dieser Wesen wurden vorgeprägt durch Tolkien, der besonders in den 1960ern einen regelrechten Hype auslöste, der bis zum Ende des 20. Jahrhunderts andauerte und zur Reproduktion von Titeln, mit eben diesen Wesen führte, wie etwa Stan Nicholls Die Orks, oder Markus Heitz Die Zwerge. Diese stete Nachfrage nach Fantasy-Literatur führte unweigerlich auch zu einer Fülle an qualitativ minderwertigen Nachahmungen, die stark als wirtschaftliche Antwort auf den Boom betrachtet werden müssen, wie das in der jüngsten Vergangenheit bei den Vampir-Romanen, nach dem "Twilight Hype" zu beobachten war.

Fantasy-Literatur als Spiegel unserer Realität

Aber Fantasy ist weit mehr als nur Orks, Zwerge und Elfen, wie auch die Romane von dem kürzlich verstorbenen Autor Terry Pratchett zeigen, der weltweiten Ruhm mit seinen "Scheibenwelt-Romanen" erlangte. In 40 Romanen und einer Fülle an Erzählungen gestaltete Terry Pratchett über mehr als 20 Jahre hinweg eine eigene Welt, bevölkert von diversen Spezies des Fantasy-Genres, die immer wieder mit Ironie und Humor geschildert werden. Mit seiner "Scheibenwelt" gelang es dem englischen Autor unsere Welt zu karikieren und uns so eine wichtige Perspektive unserer Welt aufzuzeigen. Aber auch die "Harry Potter Romane", die im Jahr 2000 mit dem vierten Teil weltweit einschlugen, sind heute nicht mehr wegzudenken und wurden von Kindern als auch von Erwachsenen gelesen und sprengten die Bestsellerlisten. Was als netter Kinderroman anfing, mit dem 11-Jährigen Harry, der in die Zauberschule nach Hogwarts kam, entwickelte sich in den letzten Teilen zu einer Dystopie, die sich plötzlich mehr und mehr mit unserer Welt und Regimen der Gegenwart und Vergangenheit überschneiden. Gleichzeitig bietet die Fantasy-Literatur, die immer wieder auf der Welt der antiken Sagen fußt - vor allem in der Jugendliteratur - die Möglichkeit der Vermittlung von dem Wissen über die alten Götter und Sagen, die sich in ihrer Urform, mehr und mehr von den Realitäten der heutigen Generation entfernen. So können Romane, wie die "Percy Jackson - Reihe", die wiederum von eingefleischten Fantasy-Fans belächelt wird, eine wichtige Form des Kulturtransportes an jüngere Generationen darstellen.

Der Spielplatz einer "Nerd-Kultur"

Die Fantasy-Kultur gerät dennoch immer wieder ins Schussfeld der Kritik, wird gehandelt als ein Spielraum Erwachsener, vorzüglich Männer, die sich nicht von ihren kindlichen Welten abnabeln können. Die Fantasy umfasst ein großes kulturelles Feld, das sich ausgehend von der Fantasyliteratur, in die verschiedenen Bereiche aufspaltet. So findet man Fantasy heute stark vertreten im Bereich des Films sowie der Computer - wie auch Gesellschaftsspielen. Dann gibt es für die eingefleischten Fans aber auch "Live-Rollenspiele" oder "Live Acting Role Playing", wo man ausgerüstet mit einer zeitgemäßen Verkleidung und einem guten Arsenal an Waffen, meist LARP-Polsterwaffen, in seiner selbst gewählten Rolle durch eine imaginierte Fantasywelt läuft. Gesetzter geht es bei den "Pen-and-Paper"-Rollenspielen zu, bei denen man von einem Spielleiter durch eine, in Buchreihen entworfene Fantasywelt geleitet wird und man anhand der Werte seines selbst entworfenen Charakters, mittels Würfelwürfe-Aktionen ausführt und Entscheidungen trifft. Nicht zuletzt gibt es die "Tabletop Games", wo man mittels gesammelter und selbst bemalter Figuren in strategischen Schlachten, nach dicken Regelwerken, gegeneinander antritt.

Die unkaputtbare Hydra der Gegenwartskultur

Man kann von dieser Fantasy-Fankultur denken, was man möchte, aber klar wird, neben der großen wirtschaftlichen Bedeutung, richtet auch die Kulturwissenschaft vermehrt ein Auge auf die Fantasy. Das wird auch notwendig in einem Zeitalter der wachsenden Popularität des Fantasy-Genres, und auch in Anbetracht der Bedeutung der Wurzeln der Fantasy, die sich quer durch die Menschheitsgeschichte ziehen. Auch ein Blick auf den Veranstaltungskalender der Stadt Wien bestätigt den Trend beispielsweise mit dem "Vindragona" Genre-Festival, das vom 19. Bis 21. März in diversen Buchhandlungen in Wien mit entsprechend großem Andrang stattfindet. Dieser Trend lässt sich weltweit nachverfolgen, etwa mit dem Anklang, den die Buchreihe "A Song of Ice and Fire", von George R. R. Martin und besonders der HBO-Serie dazu, "Game of Thrones", in sämtlichen Nationen der Erde findet. "Game of Thrones" verzeichnet die größte Zahl illegaler Downloads, seit es diese technische Innovation überhaupt gibt. Der Hype zu dieser Serie könnte nicht größer sein. So blickt eine Millionen-Fangemeinde auch in diesem Jahr wieder auf das Erscheinen der fünften Staffel am 12. April.

Ein neues Untersuchungsfeld der Kulturwissenschaft

Auch aufgrund des Megahypes der Fantasy, der seit dem Jahr 2000 nicht mehr abklingen will und sich durch die Harry Potter-, Die Herr der Ringe,- und Der Hobbit-Verfilmungen und der Game of Thrones-Serie stets präsent hält, können die Kultur- und Literaturwissenschaft ihren Blick nicht mehr abwenden. Als Reaktion der Wissenschaft auf die Fantasy-Kultur kann auch der erste "Internationale Fantasy Studies Kongress" gesehen werden, der im November 2014 in Wien stattfand. Bei diesem dreitägigen Kongress kamen Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen, aus Österreich, Deutschland, Kroatien und Rumänien zusammen. Die Themen reichten von den Ursprüngen der Fantasy, über die Wissenssysteme in der Fantasyliteratur, bis hin zur Fantasy im Heavy Metal. Anlass war unter anderem auch das Erscheinen eines Sammelbandes zu "Fantasy Studies".

Wenn man heute von Fantasy spricht, muss man dieses breite Feld im Hinterkopf haben, das sowohl für die kleinen Fankulturen, als auch für die eingefleischten Nerds Bedeutung hat. Aber genauso wie die Fans gehören zu diesem Feld auch die Fantasy als Wirtschaftssektor oder als Untersuchungsfeld der Wissenschaft und nicht zuletzt Fantasy als fundamentales Element der menschlichen Kultur.

Foto: "2010-1-meeting-under-the-tree" by David Revoy / Blender Foundation - Own work. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.
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