Rund 4.500 zum Teil witzig, kunstvoll, skurril oder einfach nur farbenfroh verzierte Plaste-Enten zählten die Veranstalter des 22. Erfurter Entenrennens bei der gestrigen Veranstaltung in der Thüringer Landeshauptstadt. Das Entenrennen erfreut sich jährlich großer Beliebtheit und zieht vor allem Familien, aber auch andere Enten-Liebhaber aus Erfurt und ganz Thüringen an die Wilde Gera, den kleinen Fluss, der die Stadt durchfließt.

Deutschlands ältestes Entenrennen

Die Veranstaltung findet seit 1993 statt und ist damit laut Veranstalter Citymanagement Erfurt, einem Händlerzusammenschluss, das älteste Entenrennen Deutschlands. "Alle anderen haben nicht so lang durchgehalten", hieß es am gestrigen Morgen im Luisenpark, dem Startpunkt des wohl kuriosesten Rennens, welchem man in der Region beiwohnen kann. Doch nicht nur Tradition, sondern auch Kreativität wird beim Erfurter Entenrennen groß geschrieben. Da die offiziellen Renn-Enten in diesem Jahr im unschuldigen Weiß daher kamen, boten sie den künstlerischen Avancen ihrer Besitzer schier grenzenlose Gestaltungsmöglichkeiten. Das Motto der Veranstaltung war definitiv: Sehen und gesehen werden. An allen Ecken konnte man die kleinen Kunstwerke, die von Kindern und Erwachsenen mit großer Hingabe verschönert wurden, bewundern. In diesem Jahr zahlte sich die gute Vorbereitung auch aus. Während in den vorherigen Jahren nur die schnellsten Enten prämiert wurden, gab es diesmal im Vorfeld des Rennens auch eine Preisverleihung für besonders schöne Federviecher. Der Hintergrund: Viele der schwimmenden Kunstwerke schaffen es aufgrund ihres Aussehens gar nicht bis ins Ziel, weil sie unterwegs von Zuschauern aus dem Wasser gefischt und zu Sammelobjekten umfunktioniert werden.

Trendwelle seit den 90er Jahren

Doch nicht nur Erfurt, sondern auch viele andere deutsche Städte nutzen die bunten Plaste-Enten als Zuschauermagnet und Imagepfleger. So kann man unter anderem auch in Kiel, Braunschweig, Duisburg und Friedrichshafen seine Renn-Ente auf die städtischen Gewässer setzen und auf den Sieg hoffen. Der Trend kam in den 90er Jahren aus den USA nach Deutschland und ist seitdem nicht totzukriegen.

Kein Wunder: Die Veranstaltungen werden oft eingesetzt, um finanzielle Mittel für die hinter der Veranstaltung steckenden Vereine und Zusammenschlüsse zu sammeln. Im Erfurter Fall musste man für eine offiziell zugelassene Ente mit einer entsprechenden Seriennummer drei Euro bezahlen. Somit wird der Sympathieträger Quietsche-Ente also schnell zum lukrativen Fundraising-Instrument.

Das Ergebnis ist eine Veranstaltung, die sowohl Besucher als Veranstalter gleichermaßen erfreut. Überall entlang der Wilden Gera standen gestern die Besucher, um die Enten zu bewundern und mit etwas Glück auch einen Blick auf die eigene zu erhaschen.

Die erste Ente, die das Ziel des Erfurter Entenrennens an der berühmten Krämerbrücke passierte, gehörte übrigens einer Vierjährigen. Die kleine Siegerin und ihre Eltern dürfen sich nun über einen Kurzurlaub in einem Vier-Sterne-Hotel freuen. Herzlichen Glückwunsch!