Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Die Aktion des Künstlers Florian Mehnert gibt der Frage nach den Grenzen der Kunst eine neue Dimension. Florian Mehnert lässt 11 Tage lang eine Laborratte über eine Webcam überwachen und gibt sie dann öffentlich zum Abschuss frei. Nach dem Ablauf des Ultimatums am 24. März wird eine echte Waffe scharf geschaltet und jeder, der mit dem Internet verbunden ist, kann die Ratte töten. Nach Aussagen des Künstlers rechnet er mit einem Massaker. Florian Mehnert will mit dieser Aktion unter anderem auf das anonyme Töten von Menschen durch Drohnen aufmerksam machen.

Ob man diese Aktion als Kunst, Aktionismus, Tierquälerei oder genial bezeichnen möchte, polarisieren tut sie auf jeden Fall. Fraglich ist natürlich auch ob es überhaupt zu einer "virtuellen Hinrichtung" der Ratte kommen wird. Sicherlich gelungen, kann man den Aktionismus bezeichnen, mit welchem Mehnert die Gleichgültigkeit der großen Masse gegenüber Tod und Leiden im Fernsehen brechen will. Auch auf das virtuelle Töten von Menschen mittels Drohnen wird medienwirksam aufmerksam gemacht. Bleibt aber doch die Frage, ob nicht eine Grenze überschritten wird. Sicherlich kann man es als scheinheilig betrachten, wenn von Menschenhand Millionen Tiere täglich getötet werden, um dann als Mittagsmenü auf dem Tisch zu landen und der angekündigte Tod einer Ratte löst eine solche Medienwirksamkeit aus.

Auch in der Frage ob Mehnert juristisch belangt werden kann, zeigt sich das Paradox der Verantwortlichkeit bei Gewalttaten im Kriegsfall. Während das Töten der Ratte sicherlich juristisch verfolgt werden kann, ergibt sich das Problem, wer denn eigentlich die Ratte tötet: Der User oder der Künstler. Eine altbekannte Frage, wenn es um Waffengeschäfte geht. Bei den Usern dürfte die Aktion gut ankommen, wissen doch bereits zum jetzigen Zeitpunkt ca. 40 Prozent, dass sie die Ratte erschießen werden. Bleibt nur noch die Frage ob Mehnerts zweifelhaftes Kunstprojekt die Gesellschaft wirklich aufrüttelt oder ob es nicht ein weiterer Schritt zur Desensibilisierung der Gesellschaft bezüglich des virtuellen Tötens von Lebewesen wird. #Krieg