Wenn der 27-jährige Christian Steinborn seine Berufsbezeichnung niederschreibt, dann setzt er ein selbstbewusstes Ausrufezeichen hinter das Wort „Schauspieler“. Sichtlich stolz zeigt sich der junge Mann, der seit mehr als vier Jahren als ausgebildeter Schauspieler bereits an verschiedenen Theatern tätig war.

Christians Weg wurde durch viele Kurse, Atemübungen und Rollen geprägt. Der junge Mann arbeitet als Schauspieler und ist derzeit fest am Jungen Theater Bonn engagiert und spielt in  „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ die Rolle von Lukas, dem Lokomotivführer, in den „Chroniken von Narnia“ den Herrn Biber, in „Pünktchen und Anton“  mimt er Herr Pogge, den Vater von Pünktchen und im Dschungelbuch den Balou. Als Oskar, der Fressdrache, spielt er in „Kleiner Drache Kokusnuss“  und als Marrak ist er in dem Stück „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ zu sehen. Doch bevor er sich auf die Bühne begeben durfte, musste er noch Schritt für Schritt eine entsprechende Ausbildung ablegen. Dafür bewarb er sich zunächst an einer Schauspielschule und durfte nach einem strengen Auswahlverfahren dann die Ausbildung beginnen. An seiner Schauspielschule gab es sieben Semester, die er erfolgreich bestehen musste. Nach dem ersten, dritten und fünften Semester gab es Zwischenprüfungen. Besonders prägend lief für ihn das erste Semester ab, in dem er Schauspielgrundlagen erlernte. Dabei handelt es sich um grundsätzliche Fähigkeiten, sowohl in theoretischer als auch in praktischer. Die Methoden, die je nach Schauspielschule den Auszubildenden auf eine andere Art und Weise vermittelt werden, legten schon Brecht und Stanislawski. Dazu kommen dann abwechslungsreiche Unterrichtsfächer wie zum Beispiel Fechten, Akrobatik, Dramaturgie, Atem- Stimme und Bewegung, Musik, Tanz, Maske und Körpertraining hinzu. In Filmschauspielseminaren, Workshops und verschiedene Szenenstudien sollen dann die Basisinhalte vermittelt werden. Am Ende der Ausbildung werden schließlich Monologe erarbeitet. Diese werden dann der ZAV, der Schule und etwaigen interessierten Intendanten, vorgestellt. Bei erfolgreichem Bestehen, werden die Absolventen schließlich in die Kartei der ZAV aufgenommen, bekommen mit etwas Glück ihr erstes Engagement und erhalten ihr Abschlussdiplom oder Zeugnis. Doch auch nach einer über vierjährigen Erfahrung ist es nicht leicht, immer und immer wieder in die gleiche Gestalt zu schlüpfen. Die größte Herausforderung beim Schauspielen am Theater ist für Christian die ständige Wiederholbarkeit erprobter Szenen. „Eine Rolle immer neu und frisch zu spielen oder im besten Fall jeden Moment auf der Bühne neu erleben zu können und zu entdecken, bedarf einer unglaublichen körperlichen und geistigen Wachheit!“ Eine aufgeweckte Herangehensweise ist für ihn wichtig, denn sobald er einen Impuls verschleppt, verschenkt er damit den wahren Moment und somit gleichzeitig ein Stück der Qualität der eigenen Rolle. Theater bestimmt das Leben des jungen Mannes, der sich glücklich schätzt, seinen Beruf ausüben zu können und zu dürfen. Er erzählt daraufhin von seiner Hingabe sehr emotional: „Theater bedeutet für mich die Liebe zu sich selbst und seinen Mitmenschen“, erzählt Christian, für den diese Leidenschaft schon beim Ensemblegedanken beginnt, und fügt hinzu: „Ein Stück ist nur so gut wie die Gemeinschaft es zulässt und gleichzeitig nur so stark wie es der Einzelne  vermag, dem König seine Aufmerksamkeit zu schenken. Zu starke Egoisten gehören für mich nicht auf eine Theaterbühne!“  Zu glauben,  dass alle Theater in Deutschland bestehen bleiben, hält er für Unfug, denn da wo das Theater keine Zuschauer mehr erreichen kann, wird es scheitern. Um dem zu entgehen, muss sich das Theater stets neu erfinden, was Christian folgend kommentiert: „So war es und so wird es immer sein.“ Doch nicht durchgehend sieht Christian die Situation der kulturellen Betriebe so pessimistisch.  Seinen Arbeitsplatz beschreibt er sogar mit erfrischend positiven Augen. Für ihn stellt das Junge Theater Bonn das perfekte Beispiel für diese Balance dar. Als sichtlich beeindruckend empfindet er es in einer Zeit, in der Theaterschließungen zum Alltag gehören, dass es dieses Theater geschafft hat zu überleben. Mittlerweile konnte sich die Institution sogar zum bestbesuchtesten Kinder- und Jugendtheater Deutschlands entwickeln.
Doch dann schweift Christian vom Konsumgedanken an, denn für ihn geht es beim Theater weniger darum wie viel Geld verdient wird, sondern um das Theater in Bonn an sich. Die einzigartige Atmosphäre, mit der jeder Besucher empfangen und in eine andere, zauberhafte Welt getragen wird, fängt bei der Leitung, dem Verkauf, dem Einlass, der  Ausstattung an und geht über die Techniker, all unsere geschätzten Praktikanten bis letztendlich zu den Schauspielern. Christian zeigt sich stolz: „Wir bilden eine starke Gemeinschaft. Und wir lieben Theater!“ - Und auch für die Zukunft kann sich der passionierten Künstler nichts anderes vorstellen. Auf die Frage, was er noch plant, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: „Theater leben!“ – Und man kann das selbstbewusste Ausrufezeichen wieder nahezu hören.