Im denkmalgeschützten, ehemaligen k. k. Hofkammerarchiv in der Johannesgasse 6, im ersten Bezirk in Wien wird ab Mitte April das Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek beheimatet sein. Ursprünglich im Revolutionsjahr 1848 als Archiv der Hofkammer errichtet, wurde es bis 2006 vom Österreichischen Staatsarchiv genutzt.

Für das Literaturmuseum weitaus bedeutsamer ist, dass in den historischen Räumlichkeiten in der Johannesgasse das Arbeitszimmer des österreichischen Dramatikers Franz Grillparzer untergebracht war. Dieser war von 1832 bis 1856 amtierender Archivdirektor. Sein Zimmer, wo auch einige seiner Werke am Schreibpult entstanden sind, ist bis heute im Originalzustand erhalten und wird ein wichtiger Bestandteil des Museums sein. Passend ist daher die Namenswahl des Gebäudes - "Grillparzerhaus".

Eine Dauerausstellung wird sich in dem neugegründeten Museum über zwei Ebenen erstrecken. Johann Nestroy, Arthur Schnitzler, Franz Kafka, Ilse Aichinger und Thomas Bernhard sind nur einige der Namen, deren Werke und Wirken präsentiert werden. Die dritte Ebene wird Sonderausstellungen gewidmet sein und das Erdgeschoss nur Lesungen und Workshops vorbehalten sein.

Laut der Österreichischen Nationalbibliothek sollen "dabei AutorInnen und Phänomene des literarischen Lebens, die innerhalb der jeweiligen Grenzen Österreichs wichtig waren oder sind" im Zentrum stehen. So werden anhand der österreichischen Literatur "historische Bruchlinien und Fragen nationaler Identität besonders sichtbar", so die Österreichische Nationalbibliothek. Außerdem sollen BesucherInnen mehr über Lebensumstände von AutorInnen, und allgemeine Informationen zur Funktion des Literaturbetriebs erfahren.

Neben Manuskripten, Zeichnungen, Briefen, Plakaten und Fotos werden auch ungewöhnliche Gegenstände zu bestaunen sein. Wie zum Beispiel der Wanderstock Peter Handkes oder Egon Friedells Perücke, die bei seinem Goethe-Sketch zum Einsatz kam. Auch audiovisuelle Stationen werden Teil des neuen Literaturmuseums in Wien sein. Laut Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ), in einem Gespräch mit der APA, wendet sich das Literaturmuseum sowohl "an Kenner als auch an interessierte Laien und ist somit auch eine ideale Ergänzung für den Literaturunterricht an Schulen".