Wer gestern den Radiosender KissFM in Berlin gehört hat, musste um Tränen ringen. Kein Spaß mehr, keine witzige Morgensendung, erst recht keine Mittagssendung, die der verstorbene Sebastian Radke - von allen nur Basty genannt - täglich von 10 bis 14 Uhr moderierte. Es war der Tag danach. Der Tag nach dem Zusammenbruch des Moderators Basty, der in seiner täglichen Sendung, am 8. April 2015, gegen 10.30 Uhr zusammen gebrochen war und wenig später im Krankenhaus verstarb.

Am Tag danach war nichts mehr so wie es einmal war in der Berliner Radiolandschaft. Im Berliner Radiosender KissFM. Stattdessen trat der Senderchef, Sebastian Voigt, um 10 Uhr - der Beginn von Sebastians Sendung - vor das Mikrofon und versuchte mit zittriger Stimme das Unfassbare für die Berliner Hörer begreifbar zu machen. Er schaffte es nicht. "Ich habe deshalb ein paar Leute vom Team hier im Studio, jene, die die Kraft haben, überhaupt etwas zu sagen. Ihr könnt jetzt das Mikrofon öffnen und was sagen, wenn ihr möchtet."

Was dann zu hören war, war nicht nur von Herzen ehrlich, sondern etwas, was es so wohl noch in keinem deutschen Radiosender gegeben hat. Es war völlig egal, dass das Mikro zum Zeitpunkt offen war, das der Radiosender vor hunderttausenden Menschen in diesem Moment live sendete. Es spielte keine Rolle mehr, dass wahrscheinlich Menschen im Auto, die das Programm hörten, rechts ranfuhren, weil sie um Tränen ringen mussten. Dass Berliner wahrscheinlich bei der Arbeit eine Andacht nahmen. Man stellte das Radio etwas lauter und stand wie gelähmt davor, denn was nun kam, bewegte zutiefst. "Ich bin Sophia, ich war mit Basty 100 Stunden auf Sendung, ich habe soviel von ihm gelernt, du wirst mir so fehlen." Die Moderatorin Sophia konnte ihr Weinen nicht mehr zurückhalten. Sie weinte und niemand unterbrach sie. Und das war gut so. Das Weinen hat auch mir sehr geholfen. Auch in meinem Büro weinte meine Frau mit mir. Und sicherlich weinte Berlin genauso mit. Es ist so egal. Auch andere Kollegen, die nach Sophia sprachen, weinten. Niemand machte das Mikro zu. "Scheiss auf die größten Hits von heute. Wir weinen hier so lange, bis der Letzte seinen Schmerz rausgelassen hat." So würde es Basty formulieren. Deshalb war diese Liveübertragung wichtig und ganz im Sinne von Basty. Sie diente nicht der Sensation, sondern einzig und allein der Verarbeitung vom Tod eines wunderbaren Menschen.

Man kann nur erahnten, welche dramatische Situation sich im Studio abspielen musste. Dieser Tag gestern half aber den Hörern und Fans, den endgültigen Abschied von einem außergewöhnlichen Moderators zu verarbeiten. Man ist nicht allein mit dem Schmerz. Es gibt nun kein KissFM mehr so wie es einmal war. Senderchef, Sebastian Voigt, brachte es auf den Punkt: "Heute ist der schwärzeste Tag in der Sendergeschichte von KissFM."

Heute erinnert der Sender weiter in einem Special an den Moderator. KissFM ist es neben der Trauer sehr wichtig, Basty in lustiger Erinnerung zu behalten. Ab sofort versucht man über Basty zu lachen und im stillen um ihn zu weinen. Aber sollte man das jetzt schon wieder? Lachen? Ja. Denn das hätte Basty so gewollt. Deshalb folgen wir der Idee von KissFM und haben uns auch für ein lustiges Bild zu diesem Artikel entschieden. Es zeigt Sebastian mit Sophia bei der Rekordsendung, 100 Stunden am Stück zu moderieren, was die beiden auch geschafft haben - ohne einzuschlafen wohl gemerkt. Mit Sophia war Sebastian auch 2013 in Afghanistan und hat dort aus dem Marmal-Gebirge, von einem Bundeswehr-Stützpunkt, gesendet. Das war die andere Seite von Basty. Er flog in Kriegsgebiete, weil die Jungs von der Bundeswehr da unten auch mal was zu lachen haben sollten. Er moderierte mit Sophia in Tarnanzügen und lieferte deftige Kommentare nach Deutschland.

Was für ein einzigartiger, mutiger Mensch Sebastian Radke doch war und was für ein Verlust für die Radiobranche in Deutschland. Aber besonders für seine Familie, Kollegen, für Berlin und seine Hörer. #Musik