Heute ist es beinahe selbstverständlich, dass Kinder bereits in der Volksschule auf viele verschiedene Schwächen getestet werden, fast jeder Nachmittag mit kostenpflichtigen Freizeitaktivitäten und Nachhilfen ausgebucht, ist und am Wochenende alternative Lernmethoden und Aktivitäten zu Kunst und Kultur auf dem Plan stehen. In weiterer Folge befinden sich viele Teenager seit mehreren Jahren in psychotherapeutischer Behandlung, nehmen regelmäßig Nachhilfe in mehreren Nebengegenständen in Anspruch und fahren quer durchs Land um den Einrad-Klub zu unterstützen.

Um dem Druck, der zwangsläufig entsteht wenn man neben seinen Freunden und Freundinnen nicht mit gleichwertigen Erfahrungen mithalten kann, standzuhalten, erfordert dies entweder eine besondere psychische Reife oder endet, wie in den meisten Fällen mit Spätfolgen.

Diese Spätfolgen lassen sich jetzt schon in fast allen Bereichen unseres Lebens erkennen. Damit man im Berufsleben möglichst erfolgreich werden kann, bleiben das Sozialleben und die Entspannung selbstverständlich auf der Strecke, die häufigsten Folgen reichen vom Workaholic bis zum Burnout. Auch die Gesellschaft übt vor allem durch die Medien ihren Einfluss auf den Menschen aus, indem suggeriert wird, dass in jedem Menschen ein Star steckt. Ob Straßenmusiker, Mechaniker oder leidenschaftlicher Briefmarkensammler, in allen versteckt sich außergewöhnliches Talent.

Aufgrund der ständigen Präsenz dieses Erfolgsdrucks, der mit hoher Wahrscheinlichkeit, dem immer mehr wirtschaftlichen Denken unserer Zeit zu verdanken ist, fließt diese Einstellung zwangsweise auch in die elterliche Erziehung der Eltern ein. Viele Mütter und Väter haben Probleme damit, ihren Kindern den Raum für individuelle Entscheidungs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, sie identifizieren sich oft mit dem eigenen Nachwuchs und projizieren daher ihre persönlichen Wünsche, Ängste und ihre (oftmals unerreichten) Ziele auf ihn. Daher ist es nicht verwunderlich wenn man als Tochter oder Sohn dem Erwartungsdruck der Eltern nicht mehr standhalten kann um dann meist von der Gesellschaft und oftmals auch den eigenen Eltern als Asozialer, Süchtiger oder Sozialschmarotzer abgestempelt zu werden.

Nicht jeder Mensch ist dafür geeignet im Mittelpunkt zu stehen, nicht jedes Kind kann oder will in die Fußstapfen der Eltern treten, nicht jeder vielversprechende Angestellte kann es an die Spitze einer Firma schaffen. Man ist eben Mensch. Nicht nur Mensch, sondern einfach Mensch. Mit allen Facetten die dazugehören, wovon zufällig jede Person viele verschiedene besitzt. Und genau diese spezielle Mischung macht aus jedem ein spezielles Individuum. Jedes Individuum hat unterschiedliche Stärken und Schwächen, genau diese Tatsache sollte auch der Grund für weniger Einzelkämpfertum und mehr Zusammenhalt sein.

Mehr Menschlichkeit, mehr (tatsächlich akzeptierte und praktizierte) Individualität gleichzeitig aber weniger Egoismus und Kapitalismus. Diese Bewegung macht sich aktuell im Umgang mit unserer Umwelt und Natur bemerkbar und schrittweise im Umgang mit den Mitmenschen, auch wenn sie noch in den Kinderschuhen steckt.

Bild: Alex E. Proimos - CC BY-NC 2.0 - flickr.com.