Nach dem tragischen Absturz des #Germanwings Fluges mit der Flugnummer 4U 9525 in den französischen Alpen, wurde in den Medien kurzzeitig auch über die Sicherheit der sogenannten Billigairlines bzw. Low-Cost Airlines diskutiert. Um die Sicherheit dieser Gesellschaften besser einzuschätzen zu können, ist es wichtig die Marktgegebenheiten genauer zu betrachten.

Die Merkmale der Billigairlines

Eine Billigairline bietet Personenflüge mit reduziertem Service zu Niedrigpreisen an. Die Kernidee dieses Geschäftssystems liegt in einer konsequenten Kostenreduzierung beim Produkt, der Wahl der Strecken und dem Vertrieb. Der Flug wird weitestgehend auf den Transport beschränkt und zusätzlicher Service - vor, während oder nach dem Flug - ist meist nur gegen Aufpreise möglich. Die erzielten Kostenvorteile werden in Form von günstigen Tickets an die Kunden weitergegeben.

Entstehung und Entwicklung der Billigairlines

Das Geschäftsmodell der Billigfluggesellschaften stammt ursprünglich aus den USA. 1971 nahm dort die Southwest Airlines den Flugbetrieb auf und bot inneramerikanische Personenflüge zu Niedrigpreisen an.Erst knapp 20 Jahre später übernahm die irische Fluggesellschaft Ryanair das Konzept, um mit niedrigen Preisen in das Hochpreiskartell der europäischen Fluggesellschaften einzudringen.

Die erfolgreiche Expansion von Ryanair in den neunziger Jahren weckte das Interesse weiterer Anbieter, die in den Markt drangen. Bei der Entwicklung der europäischen Billigairlines sind grundsätzlich drei verschiedene Muster zu beobachten: Eine Gruppe von Fluggesellschaften wurde direkt als Billigfluggesellschaft gegründet, wie beispielsweise easyJet. Eine zweite ist durch die Umwandlung bestehender Fluggesellschaften entstanden, wie beispielsweise Air Berlin, und eine dritte Gruppe bilden die Airlines, die als Tochterunternehmen bereits etablierter Fluggesellschaften gegründet wurden, wie beispielsweise Germanwings von der Lufthansa.

Der Deutschen Markt für Billigairlines

Germanwings ist mit 1.193 Flügen pro Woche die zweitgrößte deutsche Billigairline. Hierzulande ist Air Berlin , mit 1.700 Abflügen pro Woche, klar Marktführer. International dominieren jedoch Ryanair und easyJet den europäischen Markt. Auffallend ist, dass dies jene Fluggesellschaften sind, die als Pioniere den Markt für günstiges Fliegen aufgebaut haben. Voraussetzung für die Entwicklung der Billigairlines waren Deregulierungen und Liberalisierungsprozesse im Luftverkehr in Europa, die Anfang der neunziger Jahre einsetzten.

Diese Prozesse, die bereits Jahrzehnte zuvor den US-amerikanischen Flugmarkt öffneten, reduzieren die Möglichkeit staatlicher Eingriffe und Kontrollen und ermöglichen eine Preisbildung gemäß den Mechanismen des Marktes.

Beeinflusst die Kostenstruktur von Billigairlines die Sicherheit?

Im Zuge des Germanwings-Absturzes wurde vermehrt darüber diskutiert, ob das Geschäftsmodell der Billigairlines ein Sicherheitsrisiko darstellt. Dieses basiert auf dem sogenannten Lean Management - einer schlanken und kostengünstigen Unternehmensführung mit Konzentration auf die Kernkompetenzen und Outsourcing. Dabei geht es um die Ausrichtung sämtlicher Prozesse und Aktivitäten auf Kostenoptimierung und Kostensenkung mit der Ausnahme des sensiblen Bereiches Sicherheit. Einsparmöglichkeiten ergeben sich vor Allem durch Senkung der variablen Kosten. Während Linienfluggesellschaften die strengen gesetzlichen Auflagen und Standards meist übertreffen, reizen die Billigairlines diese bis zu einem legalen Maximum aus. Damit die niedrigen Preise realisiert werden können, muss das Lean Management dabei die Gesamtheit der Prozesse vor, während und nach dem Flug umfassen. Es betrifft somit auch die Wartungsintervalle und die häufigere Nutzung von gebrauchten Maschinen. Dies könnte den Schluss zulassen, dass Billigairlines unsicherer sind als andere Fluggesellschaften.

Sicherheit von Billigairlines 

Betrachtet man jedoch die Zahl der Zwischenfälle kann von keinem Sicherheitsdefizit gesprochen werden. Ryan Air verlor in der 28 jährigen Unternehmensgeschichte bisher nur ein Flugzeug, bei einem nicht tödlichen Unfall, und auch der Absturz der Germanwings war der erste seiner Art für das Unternehmen. Easyjet und Air Berlin haben bisher sogar noch gar kein Flugzeug verloren. Es kann daher festgehalten werden, dass Billigairlines trotz der günstigeren Preise, in Europa, nicht unsicherer sind als andere Fluggesellschaften.

Bild: Aero Icarus / flickr.com [CC BY-NC-SA 2.0]