Zum ersten Mal haben sich US-Präsident Barack Obama, sowie offizielle Vertreter seiner Regierung, öffentlich gegen die sogenannte "Conversion Therapy" (auf Deutsch: "Reparativtherapie", auch "Konversionstherapie") ausgesprochen. Das Statement des Präsidenten kam nachdem, im Zuge einer Online Petition mehr als 120.000 Unterschriften gegen diese "Therapieform" gesammelt worden waren. Die Petition selbst wurde nach dem Selbstmord der 17-jährigen Transgender-Frau Leelah Alcorn gestartet, welche sich aufgrund des Drucks ihres nahen Umfelds, sich Therapieren zu lassen im Dezember 2014 selbst getötet hatte.

Die "Konversionstherapie" gilt in Amerika und auch in einigen anderen Teilen der Welt als, zumindest in bestimmten Kreisen weit verbreitet. Vor allem unter amerikanisch-geprägten evangelikalen Christen und christlichen Gruppen soll die "Konversionstherapie" teilweise sehr populär sein. Ziel dieser Art von "Behandlung" ist es, die sexuelle Orientierung eines Menschen durch intensive Therapie, meist in - an die Psychotherapie angelehnten - Einzelsitzungen, aber teilweise auch in Gruppensitzungen zu ändern. Auch andere, extreme Formen von "Therapie", wie der Elektroschocktherapie und der Verabreichung von Hormonen sollen zum Teil zur Anwendung kommen.

Dabei wird versucht homosexuellen, bisexuellen, transsexuellen und transgender Individuen, sowohl Männern, als auch Frauen zu "helfen" ihr "heterosexuelles Potential" zu entwickeln und ihnen beizubringen, ihre "homosexuellen Neigungen" zu unterdrücken. Dieser Ansatz basiert zum einen, vor allem unter evangelikal-christlich geprägten Proponenten der Therapie auf der Vorstellung, Homosexualität (und jegliche Form von "nicht-heterosexueller" Neigung) sei von Grund auf "falsch und unnatürlich" und widerspreche den "Geboten Gottes" und, zum anderen auf dem Glauben, die sexuelle Orientierung eines Menschen sei durch Intervention von Außen flexibel form- und veränderbar.

So gut wie alle anerkannten internationalen Verbände und Fachgesellschaften auf dem Gebiet der Psychologie und der Psychatrie lehnen die Ansätze und Vorstellungen der Vertreter der "Conversion Therapy" als unwissenschaftlich und teilweise auch unmenschlich ab. Auch wenn es noch bis in die 1970er Jahre unter Psychologen und Psychiatern in Amerika und Europa durchaus üblich war, Homosexualität als Krankheit (oftmals als Form von Geisteskrankheit) zu betrachten, hat sich im Laufe der Jahre doch die wissenschaftlich-rationale Sichtweise durchgesetzt. So gilt auch in den weltweit verwendeten und anerkannten Diagnoseklassifikationssystemen, wie dem ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten u. verwandter Gesundheitsprobleme) der Weltgesundheitsorganisation und auch dem DSM (Diagnostischer und Statistischer Leitfaden psychischer Störungen) der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft die sexuelle Orientierung von Menschen - auch wenn sie nicht "heterosexuell" ist - nicht mehr per se als Krankheit oder Störung.

Auch wenn nach wie vor nicht genau bekannt ist, welche ursächlichen Faktoren zur jeweiligen sexuellen Ausrichtung führen, so gibt es eindeutige wissenschaftliche Hinweise dafür, dass es teils genetische, teils epigenetische, sowie intra-uterine (also im Uterus bzw. im Mutterleib stattfindende) Prozesse sind, welche zur sexuellen Orientierung eines Menschen führen. Die Vorstellung, dass die sexuelle Orientierung eines Individuums also "bewusst gewählt", oder "gewollt veränderbar" ist, ist im Lichte dieser Erkenntnisse als falsch zu betrachten.

Abgesehen davon, ist es sehr fragwürdig, ob, selbst wenn Menschen die "Wahl" bzw. die Möglichkeit hätten ihre sexuellen Neigung zu verändern, es moralisch richtig wäre sie zu diesem Schritt zu zwingen, oder etwa - zum Beispiel aufgrund bestimmter religiöser Vorstellungen einzelner Gruppierungen - ihre Freiheiten und Rechte in Bezug auf die selbstbestimmte Gestaltung ihres Lebens einzuschränken.



Quellen:


BBC - Obama calls for end to "gay conversion therapies"

The Independent UK - The ex-gay files: The bizarre world of gay-to-straight conversion

dimdi.de - Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information: ICD-10-GM

Behavenet.com: APA Diagnostic Classification DSM-IV-TR

American Psychological Association - Facts about Sexual Orientation & Youth 

University of California, Davis - Information: Attempts to Change Sexual Orientation