Einige Politiker der sehr rechten Szene spielen gekonnt auf dieser Klaviatur. Mit regelmäßigen Entgleisungen in die Nazi-Diktion versucht man, den extrem rechten Rand der Anhänger in Stimmung zu halten. Große „Künstler“ war in diesem Genre Jörg Haider, sein Nachfolger Heinz-Christian Strache steht ihm kaum nach. Dieter Hallervorden steht wohl außer Verdacht, mit extrem rechten „Gedankengut“ irgendetwas zu tun zu haben. Bei seiner Dankesrede anlässlich der Romy Verleihung in Wien (österreichischer Film- und Fernsehpreis), verwendete er, nach eigenen Aussagen, bewusst die Nazi-Diktion „heim ins Reich" um "aufzuwecken". 

Historisches

Ein ganz wunder Punkt der österreichischen Zeitgeschichte ist der sogenannte „Anschluss“ von Österreich an das Deutsche Reich der Nationalsozialisten 1938. Das offizielle Österreich sah sich ja in den Nachkriegsjahren gerne als „annektiertes Land“ - also als erstes von der Deutschen Wehrmacht besetztes Land. Widerstand wurde allerdings nicht geleistet. Im Gegenteil. Ein Teil der Österreicher hat offen und laut gejubelt, ein noch größerer Teil hat sich innerlich gefreut und auf eine bessere Zeit gehofft. In dieser Zeit wurde vom Österreicher Adolf Hitler der markante Ausspruch geprägt, Österreich sei „heim ins Reich“ geholt worden.

Von Schlagzeilen lebt die Medienbranche

Ob nun der Hund von Paris Hilton stirbt (für jeden Hundebesitzer ein wirklich trauriges Ereignis), oder die Wohnung eines Prominenten von Dieben ausgeräumt wird – alles kann zur Schlagzeile taugen. Die Frage ist immer nur, wie bekannt ist der Betroffene oder besser gesagt: wie gut ist seine Propagandamaschinerie. Das Thema Nationalsozialismus ist jederzeit für einen Aufreger gut. Während es für die jüngeren kaum mehr Assoziationen weckt, elektrisiert ein Ausspruch wie „heim ins Reich“ die ältere Generation in den Fernsehstühlen – selbst bei einer der vielen, recht banalen, Preisverleihungen.

Selbstkritik und Rechtfertigung

Dieter Hallervorden hat in den letzten Jahren als Schauspieler bewiesen, dass er absolute Klasse hat. Seine Darstellung in „Sein letztes Rennen“ oder „Honig im Kopf“ sind absolute Meisterleistungen. Warum macht dann ein Nazi-Sager, der als Provokation gemeint war, mehr Wirbel als seine Leistungen als Schauspieler? Die Medien müssen sich da wohl an die eigene Nase fassen. Didi hat die Aktion auf seiner facebook-Seite folgendermaßen erläutert: „Der Ausspruch ist eine bewusste Provokation gewesen, um an die Geschichte zu erinnern. Die Österreicher neigen ja gerne zu Vergesslichkeit, seien aber mit wehenden Fahnen zu Nazi-Deutschland übergelaufen. Er habe den Ausdruck „heim ins Reich“ ja nicht erfunden. Ich erinnere nur an etwas und sage: Wehret den Anfängen! Auf solche Leute wie Hitler darf man nie wieder reinfallen. Ich will niemanden zu rechtem Gedankengut ermuntern, im Gegenteil! Ich will davor warnen.“

Didi – das wissen wir. Traurig, dass du dich rechtfertigen musst. Trotzdem kann man auch ohne Provokation sein Anliegen verbreiten. Es gibt noch sensible Journalisten, die derartige Botschaften wahrnehmen.

Foto: flickr.com - Martin Steiner  #Kunst