Glaubwürdig und verständlich, sind nur einige Lobeshymnen auf die ZDF-Journalistin und Moderatorin des heute-journals, Marietta Slomka. Sie wird mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2015 ausgezeichnet. Mit ihren schnörkellosen und alltagsnahen Moderationstexten helfe Slomka den Zuschauern, auch schwierigste Sachverhalte besser zu verstehen, so die Jury.

Tatsächlich ist Slomka mit ihren Interviews, gerade auf Youtube, nicht nur beliebt, sondern auch bei manchen Politikern gefürchtet. Da wäre ein Interview mit Bahnchef Grube zu nennen, wo sich Marietta Slomka nicht mit dem PR-Quatsch, von wegen Pünktlichkeit zu 96 Prozent, von Bahnchef Grube zufrieden geben wollte. Legendär auch der Schlagabtausch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, der Slomkas Interviewstil kritisierte und dafür gleich die Retourekutsche bekam. Auch ein FDP-Politiker, der nur zehn Minuten um den heißen Brei geredet hat, bekam ein paar ordentliche Takte zu hören.

Marietta Slomka gebe sich nicht mit den Floskeln der eiligen Nachrichtensprache zufrieden und gestatte ihren Interviewpartnern nicht die Flucht ins Ungefähre, heißt es weiter in der Begründung der Jury. Der Preis wird erst am 27.10.2015 in Köln verliehen. Er ist mit 5.000 Euro dotiert. Das macht den ZDF-Chefredakteur, Peter Frey, natürlich stolz, der selbst als Nachrichtenmann im ZDF angefangen hatte. "Marietta Slomka stellt Politikern, wenn es sein muss, auch dreimal dieselbe Frage, um eine Antwort zu bekommen", sagt Frey. "Sie steht für kompetenten, unabhängigen Journalismus und ist ein Aushängeschild für das Informationsprogramm des ZDF."

Das "heute-journal": Mariette Slomka moderiert mit dem Journalisten, Heinz Wolf, alle 14 Tage für eine Woche das heute journal. Sie wechselt sich wöchentlich mit Claus Kleber und Gundula Gause ab. Unter den Zuschauern gelten das Gespann Slomka und Wolf, aber vor allem Kleber und Gause als die Nachrichtenmacher schlechthin. Sie wurden auch von der Pro7-Sendung "switch" regelmäßig parodiert. Das "heute-journal" ist wegweisend für Interviews gewesen. So gelang es damals Claus Kleber in einem Interview mit CSU-Chef, Horst Seehofer, ein völlig privates Gespräch im Anschluss an das Interview führen zu können. Nach dem Interview regte sich Seehofer über den Umweltminister auf. Er fluchte, er schimpfte und sagte: "das können sie ruhig senden." Man sendete dies auch. So gelang es dem ZDF, einen Politiker ohne Fassade, ohne Floskeln völlig menschlich und mal so richtig sauer darzustellen.

Auch Harald Schmidt war einmal zu Gast und durfte einen Kulturbeitrag ankündigen. Er ist bekennender Stammzuschauer vom "heute-journal".

Der Preis: Mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis werden jährlich Fernsehjournalisten für ihre kreative, kritische und unabhängige Arbeit ausgezeichnet. Der Preis wurde zur Erinnerung an den 1995 verstorbenen "Tagesthemen"-Moderator Hanns Joachim Friedrichs von einem Freundeskreis des Moderators ins Leben gerufen. #Fernsehen