"Miau!" Mit diesem Laut posiert die gerade einmal 19-jährige Kim, und jüngstes Mitglied der Band "Ace of Angels", im Video "Like a cat", im hautengen Minikleid aus Leder. Sie dreht sich dabei, die Kamera fängt ihren ganzen Körper ein, Zoom auf die makellosen Hüften - perfekt. Dann wirft sie ihre Haare nach hinten, führt ihren Zeigefinger über die Lippen, blinzelt verführerisch in die Kamera. Wie eine schöne Lolita, die gerade volljährig geworden ist, soll sie der Traum der Männer sein. Aber vor allem unmissverständlich den Traum südkoreanischer Frauen verdeutlichen: Nur wenn ihr so ausseht wie wir, werdet ihr es zu etwas bringen.

Bei uns würde eine solche Darstellung von jungen Frauen, in anzüglichen Videoclips, im Nachmittagsprogramm, die Kommission für Jugendschutz, kurz KJM, auf den Plan rufen. Die KJM überwacht in Deutschland die Jugendschutzbestimmungen im Fernsehen. In Südkorea ist das normal und es wird alles andere als frauenfeindlich oder Sexsymbol für Männer missverstanden. Im Gegenteil! Man muss hierzu Frauen, die in Südkorea leben, zunächst verstehen. Was in Deutschland das Smartphone und Auto ist, mit dem die Deutschen einen gewissen Status verbinden, ist in Korea die Schönheitsoperation und Schönheitsartikel. Eine Filiale von Rossmann wie bei uns, kennen die Koreanerinnen in der Stadt nicht. So ein Geschäft würde gar nicht für die Bedürfnisse ausreichen. Auch die Preisstruktur ist eine völlig andere. Ganze Konsumtempel locken auf 10000 Quadratmeter Fläche, mit nur einem einzigen Sortiment: Schönheitsprodukte. Es gibt dort alles, was vermeintlich jung macht - von einem Nasenpflaster, was die Nase schmaler machen soll, über Eismasken, die bis zu 10 Jahre jünger das Gesicht erstrahlen lassen. Für so etwas legen die südkoreanischen Frauen gern mal um die 100 Euro hin - pro Maske, versteht sich. Das Geschäft boomt.

Junge Frauen gehen mit Bildern, wie der Gruppe "Ace of Angels", in das JK Plastic Surgery Center in Souel, das renommierteste Schönheitscenter der Hauptstadt, und lassen sich zu Schönheitsoperationen beraten. Und zum 16. Geburtstag wünscht man sich nicht ein Smartphone vom heimischen Weltmarktführer Samsung, sondern ein künstliches Lid für die Augen. Das wird dann oft in den Ferien geschnitten, damit es zum Schulbeginn verheilt ist. Musikgruppen, wie die südkoreanische Girlband, sind für die Industrie ein wichtiges Instrument, denn sie sprechen Teenager und deren finanzkräftigen Eltern an. Wenn Auftritte von "Ace of Angels" im TV zu sehen sind, ihre Clips im Musikfernsehen rotieren, klingelt die Kasse. Schöne Bandmitglieder, bedeuten sichere Sponsoren der Kosmetikindustrie. Schöne Asiatinnen lassen sich vor allem auch in Europa gut vermarkten. So finden sich die Videoclips von "Ace of Angels" durchaus bei deutschen Musikanbietern wieder.

Nun ist es unfair zu sagen, dass "Ace of Angels" nur auf ihr Schönheitsideal reduziert werden müssen. Tatsächlich ist die #Musik Mainstream tauglich, ist nicht schlecht. Nur haben Bands auch eine gewisse Vorbildfunktion. Das soziale Engegaments der acht Bandmitglieder reduziert sich jedoch darauf, sicherlich unter Anweisung des Managements und den Sponsoren, in Schönheitssendungen über ihren Taint zu sprechen. Es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass nahezu jede Frau in Koreas Showgeschäft, mindestens einen Aufenthalt in der Schönheitsklinik hatte. Es mag verrückt klingen, aber in Interviews wollen Koreanerinnen nicht viel von der Musik einer Band wissen, sondern was das Schönheitsgeheimnis ist und welche Klinik die Sängerinnen doch empfehlen würden. So ist Korea und so ist die Jugend dort. Und das ist das traurige Schicksal der Band "Ace of Angels".

Denn schon Eltern setzen ihre Kinder unter Druck, dass nur dann etwas aus ihnen wird, wenn sie sich der Schönheitsoperation unterziehen - Nase, Kieferform, Taint; alles muss optimiert werden. Junge Mädchen wachsen in diesem Wahn auf. Und Musikgruppen wie "Ace of Angels" bestätigen das verzerrte Bild. Denn ihre Botschaft ist nicht die Musik, sondern eine klare Ansage der milliardenschweren Sponsoren: Nur wer wirklich makellos schön ist, schafft es auch in den Pop-Olymp.
#Schönheit