Es ist sehr schwer geworden mit einem Buch für Aufregung zu sorgen. Am ehesten noch, wenn man sich an einem Weltreligionsgründer und dessen Geschichte oder Botschaft reibt. Der Musiksender VIVA hat schon viele Talente hervorgebracht – man erinnere sich nur an Heike Makatsch, die in die erste Riege deutscher Schauspielerinnen aufgestiegen ist. Auch Charlotte Roche verdiente ihre ersten Sporen bei VIVA. 2008 schafft sie, recht überraschend, einen echten Aufreger. Ihr Buch „Feuchtgebiete“ sprach Themen an, die maximal unter extrem guten Freundinnen besprochen werden. Noch mutiger war Peter Rommel. Er ging das Wagnis ein, das Buch von Charlotte im Jahr 2013 zu verfilmen. Das ZDF zeigt „Feuchtgebiete“ am 4.5.2015 um 22:15 Uhr als Free-TV Premiere, ein paar Stunden später, um 0:20 Uhr, gibt es eine weitere Ausstrahlung.

Jede Scham abgelegt

Vom Bordellbesuch, Intimhygiene, Masturbationstechniken bis Analverkehr – die junge Helene will in Feuchtgebiete alles ausprobieren und opfert keine Sekunde ihrers Lebens, um über irgendwelche Schranken oder Regeln nachzudenken. Das Hauptproblem vor der Verfilmung war wohl. eine Schauspielerin zu finden, die Helen im Sinne von Charlotte Roche darstellen kann. Mit Carla Juri ist – und das kann man ohne Übertreibung sagen – die Idealbesetzung gelungen. Nicht nur privat, auch bei ihrem Aufenthalt in der Klinik nach einem "Rasierunfall", verstößt Helen gegen jede Regel. Sie versucht auch ihre getrennt lebenden Eltern – kongenial von Axel Milberg und Meret Becker dargestellt – wieder zusammenzubringen.

Auch Carla Juri geht an die Grenzen

Claus Falkenberg hat gemeinsam mit Regisseur David F. Wnendt das Drehbuch zu Feuchtgebiete geschrieben. Eine äußerst schwierige Aufgabe. Sinnliche Erotik, ohne vulgär zu werden darzustellen, ist ein gewagter Drahtseilakt. Man kann aber sagen, dass die Verfilmung von Feuchtgebiete mindestens so gut ist wie das Buch. In der Filmgeschichte eher die Ausnahme. Einen großen Anteil daran hat sicherlich die Hauptdarstellerin Carla Juri. Ein in jeder Beziehung vergnüglicher Film, der trotz des Themas in keiner Sekunde peinlich ist.

Kein Skandal - im Gegensatz zu ...

Die Verfilmung von „Feuchtgebiete“ sorgte für keinen Skandal. Das liegt sicherlich an der gekonnten Verfilmung und an der „Abhärtung“ der Gesellschaft. „Der letzte Tange von Paris“ war da puncto Skandal ein anderes Kaliber, obwohl der Streifen zwischenzeitlich schon als Filmkunstwerk gilt. Bernardo Bertolucci sorgte 1972 für einen Megaskandal. Maria Schneider spielt allerdings die Jeanne sicherlich „vulgärer“ als Carla Juri die Helen. 1972 war es natürlich auch noch wesentlich leichter für einen Skandal zu sorgen. Pier Paolo Pasolini legte 1975 mit „Die letzten Tage von Sodom“ noch ein Schäufchen nach. 1951 genügte allerdings schon eine kurze, absolut harmlose, Nacktszene für einen Volksaufstand. Die unvergessene Hildegard Knef ließ in „Die Sünderin“ die Hüllen fallen. „Das Schweigen“ von Ingemar Bergmann war 1963 der große Aufreger. Auch die „Küchentischszene“ zwischen Jessica Lange und Jack Nicholson in „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ ist in die erotische Filmgeschichte eingegangen.

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