Am 31. Mai 2015 wäre Rainer Werner Fassbinder siebzig Jahre alt geworden. Mit seinem Werk hat der Schauspieler und geniale Regisseur viel Staub aufgewirbelt, der sich erfreulicherweise noch immer nicht gelegt hat. Sowohl sein Werk als auch sein Leben war gegen viele Tabus gerichtet, die in den siebziger Jahren nahezu unverrückbar schienen. Bisexualität war ein absolut verdrängtes Thema – Fassbinder revolutionierte den deutschen Film auch formal. ARTE bringt am 27.5.2015 ab 22:10 Uhr ein Portrait zum 70. Geburtstag.

Peer Raben und Kurt Raab sind die ersten Weggefährten

Im Antiteater hat der junge Fassbinder die ersten Kontakte zur Bühne. Auf der Schauspielschule lernt er Hanna Schygulla kennen, sie und Margit Carstensen oder Ingrid Caven treten ebenfalls dem Ensemble bei. Es entstehen die ersten Filme – formal eine ganz neue Richtung des deutschen Kinos – angelehnt an Jean-Luc Godard oder John Huston. „Liebe ist kälter als der Tod“ oder „Katzelmacher“ sind die ersten Meilensteine. Das Fernsehen wurde auf Fassbinder aufmerksam, „Martha“ oder „Acht Stunden sind kein Tag“ (1972) entstanden.

Skandale und Anerkennung

Mit „Angst essen Seele auf“ schuf Fassbinder 1973 ein wegweisendes Melodram mit der großartigen Brigitte Mira in der Hauptrolle. Eine der ersten Filme überhaupt, der die Migrationsproblematik behandelte. „Der Müll, die Stadt und der Tod“ (1974) sorgte für einen Riesenskandal, da antisemitische Passagen vorkamen. „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ brachte Fassbinder internationale Anerkennung und den goldenen Bären bei der Berlinale ein. „Die Ehe der Maria Braun“ (1979) und der Mehrteiler „Berlin Alexanderplatz“ waren die Höhepunkte in seinem späten Werk. 1982 starb Fassbinder nach einem Herzstillstand, Drogen sollen dabei eine Rolle gespielt haben.

Fassbinder und die freie Liebe

Künstlerisches Schaffen und Privatleben waren bei Fassbinder immer eine Einheit. Ingrid Caven war seine Partnerin Anfang der 70er Jahre. Aber auch mit Männern lebte er zusammen – El Hedi ben Salem war sein Partner bis Mitte der siebziger Jahre. Dann folgte Armin Meier und später seine Cutterin Juliane Lorenz, die er angeblich auch geheiratet haben soll.

Foto: Festival de Cine Africano, flickr.com
#Kunst