Vincenzo Bellini's Oper „Norma“ ist wahrlich keine leichte Opernkost. Obwohl die Oper bereits 1831 uraufgeführt wurde, war sie ihrer Zeit um einiges voraus. Die Partie der Norma gehört zum Anspruchsvollsten, das die Opernliteratur zu bieten hat. Edita Gruberova hat mit ihrer Interpretation einen Meilenstein der Operngeschichte gesetzt. Classica zeigt die bereits legendäre Aufführung der Bayerischen Staatsoper aus dem Jahre 2006 am 11. Juni 2015 um 21:40 Uhr.

Edita Gruberova – Operndiva des 20. Jahrhunderts

In Banska Bystrica sang Edita Gruberova Ende der sechziger Jahre die Eliza in „My fair lady“, die Violetta in „La Traviata“ und die die Olympia, Giuletta, Antonia und Stella in „Hoffmanns Erzählungen“. Auch in Wien wurde man auf die Sopranisten aufmerksam und der Aufstieg zum internationalen Opernstar begann mit der „Königin der Nacht“ in Mozart's Zauberflöte an der Wiener Staatsoper 1971. Mit Karl Böhm gab es eine legendäre Aufführung von „Ariadne auf Naxos“, aber auch dem leichteren Fach blieb sie treu. „Die Fledermaus“ gehörten ebenso zu ihrem Repertoire wie die kultige Produktion von „Hänsel und Gretel“ mit Brigitte Fassbaender unter Sir Georg Solti.

Staatsopern Server ging in die Knie

Als 2006 bekannt wurde, dass die Gruberova die Norma in München singen wird, gingen im Vorverkauf die Server der Staatsoper in die Knie. Mit fast sechzig Jahren wagte sich Gruberova an eine der schwierigsten Partien der Opernliteratur. Sie gab auch umunwunden zu, sich ein Leben lang auf diese Rolle vorbereitet zu haben. Jürgen Rose inszenierte die Aufführung, am Dirigentenpult stand Friedrich Haider. Sonia Ganassi singt die Adalgisa, Zoran Todorovich den Pollione, Roberto Scandiuzzi den Oroveso. Richard Wagner meinte über die Bellini Oper: „Es ist vielleicht selbst keine Sünde, wenn man vorm Schlafengehen noch ein Gebet zum Himmel schickte, dass den deutschen Komponisten doch endlich einmal solche Melodien und eine solche Art, den Gesang zu behandeln, endlich einfallen möchten. Gesang, Gesang und abermals Gesang, ihr Deutschen!" Die Süddeutsche Zeitung schrieb über die Aufführung: „Edita Gruberova gilt immer noch als die größte Koloratur-Wunderfrau dieser Welt. Bereits nach ihrer ersten Arie, nach 'Casta Diva', der 'keuschen Göttin', wird gejubelt und getrampelt. Darin ist sich das Publikum einig: Edita ist die Beste, auch als Druidenpriesterin."

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