Dieser Text der Berliner Schülerin Magdalena Czerwinska entstand bereits im April 2015. Ihr erster Presseartikel ist bisher unveröffentlicht. Da die „Ausstellung über das, was uns verbindet“, so der Slogan, noch bis zum 1. November besichtigt werden kann, eignet er sich durchaus als Tipp zum heutigen internationalen Tag der Freundschaft. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte die Initiative 2011 im Sinn einer Kultur des Friedens ausgerufen. (DM)

Könnt ihr euch vorstellen, was Hygiene mit Freundschaft zu tun hat? Nein? Ich konnte das auch nicht. Ich durfte im Rahmen meines Schülerpraktikums an der Pressekonferenz zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Freundschaft“ teilnehmen. Schon während der Busfahrt nach Dresden stellte ich mir diese Frage. Vor Ort erfuhr ich: „Das Deutsche Hygiene-Museum versteht sich als Haus für den Menschen. Dessen zentrale Frage ist, wie wir miteinander leben wollen.“

Mit Profil-Chip durch fünf Räume

In den fünf Ausstellungsräumen werden die unterschiedlichsten Arten von Freunden betrachtet. Staatsfreunde, Sportsfreunde, Genossen, Brieffreunde, Internetfreunde und mehr. Wer will, kann vor Betreten des ersten Raumes an einem Tablet ein Personen-Profil erstellen. Hierfür muss er lediglich ein paar Fragen beantworten und es auf einem Chip speichern lassen. Nun kann er an gekennzeichneten Stationen sein Armband an einen Sensor halten und bekommt auf sich abgestimmte Texte sowie Vorschläge eines möglichen Freundes. Nach Verlassen der Ausstellung und Zurückgeben des Armbandes werden die Daten auf dem Chip vernichtet. Auch Kinder können ihre besondere Führung erleben. „Es kann passieren, dass man Dinge empfohlen bekommt, für die man sich bisher gar nicht interessierte, aber dann spannend findet“, sagt Kurator Dr. Daniel Tyradellis. „Das ist gewollt“.

Vasen und Kettensägen

Vasen können nicht lustig sein? Doch. Schaut man sich die Staatsgeschenke zwischen Preußen und Russland an, verwundert ein überdimensionales Stück von 1834. Über Jahre hinweg übertrumpften sich beide Staaten gegenseitig mit immer größeren Vasen. Bis Preußen sich wegen eines meterhohen Exemplars der Russen geschlagen gab.

Oder war euch bewusst, dass unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel der USA regelmäßig Porzellansets zukommen lässt? Ein Staatsgeschenk, das weniger riskant ist als die Kettensäge, die Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder 2004 an den amerikanischen Präsidenten verschenkte. Die Fotografin Tanja Hollander stellte sich die Frage: „Are you really my friend?“. Sie besuchte alle ihre 626 #Facebook-Freunde und fotografierte sie. Doch diese Beispiele sind nur einige der rund 300 Exponate auf 800 Quadratmetern.

Zeit einplanen

Die vielen unterschiedlichen Facetten überraschten mich. Deswegen mein Tipp: Zu der Ausstellung, die noch bis zum 1. November läuft, sollte man genügend Zeit mitbringen, um sie auf sich wirken zu lassen. Gut und preisgünstig ist Dresden mit dem Fernbus zu erreichen, der täglich mehrmals von Berlin aus fährt. Für alle unter 16 Jahre ist die Ausstellung kostenlos zu besuchen. Für die 16+ gibt es Schülerermäßigungen. Eine Eintrittskarte ist für zwei Tage gültig. Die Ausstellung ist täglich außer montags geöffnet.

Foto: ©Dagmar Möbius

Wirkliche Freunde? Die Amerikanerin Tanja Hollander besuchte und fotografierte ihre 626 Facebook-Kontakte. Sie brauchte drei Jahre dazu. #Schule #Angela Merkel