"Flesh and Bone" steigt schon mit einem Schock ein: Die junge Ballerina Claire Robbins (Sarah Hay), Opfer sexuellem Missbrauchs, flüchtet von Zuhause. Nach wenigen Minuten setzt die Serie bereits in der "American Ballett Company" ein und nimmt sich von da an viel Zeit. Mit Claire, gespielt von der brillanten Sarah Hay (28), sind wir beim Vortanzen. Hier geht es nach Aussehen, man ist nur eine Nummer und ist den Launen der Company ausgeliefert. Die Fußnägel brechen, es blutet wie Sau. Völlig normal. Zähne zusammenbeißen. Weiter geht es.

Zu düster und hart

Der Serie übertreibt mit diesen Darstellungen nicht, denn alle Protagonisten sind echte Tänzer, die sich für die Produktion zur Verfügung gestellt haben. Auch Sarah Hay hat ihre Erfahrungen mit einbringen dürfen. "Flesh and Bone" will nicht schockieren, sondern das Ganze so sehr auf die Spitze treiben, wie es nötig ist. Und es ist keine Tanzserie, sondern ein Drama über ein knallhartes Geschäft auf Kosten junger Mädchen und Frauen. Ja, auch Männern. Die Mini-Serie mit nur acht Folgen ist düster und verdammt hart. Wirklich hart.

Hunger und Sex fressen die Seele auf

Absichtlich verweilt "Flesh and Bone" deshalb in Szenen wie dieser, wo sich Claire vor dem Geldgeber der Company erniedrigen und sich als Sexobjekt benutzen lassen muss. Manchmal helfen Drogen oder der Brechreiz, um der Nacht zu entfliehen. Die Konsequenzen werden folgen. Man überfordert den Zuschauer mit Szenen eines nackten Mädchen auf der Suche nach Tampons, weil ihre Periode so stark ist, aber man halt weiter tanzen muss. Pillen und Koks gehören oft zum Alltag der Mädchen. Hunger auch. Fast schon erleichternd ist es da anzusehen, wenn Claire in einer Szene einen atemberaubenden Strip in einer Bar darbietet. In diesen immerhin fast sechs Minuten fängt die Kamera ohne Schnitt Claire als Engel ein und lässt die Schönheit auf den Zuschauer wirken. Bizarr.

Der Albtraum jedes kleinen Mädchens

"Flesh and Bone" gönnt zwar auch ausreichend Zeit, um unglaublich gutes Ballett zu zeigen. Die Balance hält die Serie aber bewusst nicht. Es ist der Versuch, den Traum jedes kleinen Mädchens vorzugaukeln und ihn dann als Albtraum zu entlarven. Das gelingt "Flesh and Bone" so eindrucksvoll und intensiv. Nicht nur mit Einblendungen kaputter Füßer - immer und immer wieder. Vielmehr lässt "Flesh and Bone" echte Tänzer die Wahrheit so getreu wie nur möglich vorspielen. "Flesh and Bone" gelingt das Stück auf ganzer Linie. Unbedingt anschauen!

"Flesh and Bone" läuft bei Amazon Prime Video und ist inklusive bei einem aktiven Prime-Abo. Freigegeben ab 16 Jahren.

Trailer (englisch) zur Serie:

Eröffnungsszene - Song von Karen O "Obsession":

Fotos: © 2015 Starz Entertainment, LLC / Myles Aronowitz, Patrick Harbron

Weitere Artikel aus dem Bereich Kultur:

Krewella: Amerikas krasse Schwestern

Nachruf für David Bowie: "Du warst mein Hero" #Fernsehserien #Musik #Fernsehen