Auf den ersten Blick wirkt Issei Sagawa wie ein freundlicher Mann. Der junge Japaner war in den späten 70ern nach Paris gekommen, um dort moderne Literatur zu studieren. An der Uni machte der Austauschstudent 1981 Bekanntschaft mit der attraktiven niederländischen Studentin Renee Hartevelt. Sie war, so berichteten Kommilitonen später, nicht besonders zu Issei hingezogen, willigte jedoch dennoch ein, mit ihm auszugehen. Issei Sagawa hatte ihr vorgeschlagen, sie könnten gemeinsam Deutsch üben.

Was die Studentin zu diese Zeit nicht ahnte: Sagawa hegte dunkle Fantasien. Er hatte, so berichtete er später, schon seit Kindesbeinen an davon geträumt, menschliches Fleisch zu essen.

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Sein Gelüste hätten sich dabei stets auf blonde junge Frauen gerichtet.

Renee Hartevelt fügte sich perfekt in sein Beuteschema.

Während einer ihrer Treffen, ergriff Sagawa schließlich die Gelegenheit. Renee Hartevelt saß gerade mit dem Rücken zu ihm am Schreibtisch und las ein deutsches Gedicht vor - als Sagawa ihr in den Nacken schoß und auf der Stelle tötete.

Er vertilgte sein Opfer über zwei Tage

Sagawa ging dann dazu über, ihren Körper in Einzelteile zu zerlegen und Kopf und Beine abzutrennen. Für zwei Tage verspeiste er Teile des Körpers seiner Mitstudentin. Nach zwei Tagen entschloss er sich, dass er den Körper entsorgen musste, da Gestank und immer mehr Fliegen sich in seiner Wohnung ausbreiteten.

Mit einem elektrischen Brotmesser zerlegte er, was vom Körper noch übrig war in kleine Teile und stopfte diese in zwei Koffer, die er für diesen Zweck angeschafft hatte.

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Mit einem Auto ließ er sich zum Park Bois de Boulogne bringen, wo er die Koffer entsorgen wollte. Sagawa hatte sich den Ort in der Annahme ausgesucht, er sei abgelegen. Doch der Park war voll mit Passanten - Sagawa sah keine Möglichkeit, seine Koffer heimlich zu entsorgen. Panik habe ihn ergriffen, berichtete er später, und er habe die Koffer fallen gelassen und sei geflohen.

Die Koffer fielen schnell auf - auch weil von ihnen ein bestialischer Gestank ausging. Die französische Polizei rief eine Fahndung nach dem Besitzer der Koffer aus. Sagawa für seinen Teil war in der Zwischenzeit in sein Appartment zurückgekehrt, wo er dazu überging weitere Körperteile von Renee Hartevelt zu verspeisen, die er für diesen Zweck im Kühlschrank gelagert hatte.

Der japanische Kannibale wird gefasst

Doch der Polizei gelang es in kürzester Zeit mit Hilfe von Zeugenaussagen von Passanten, die Sagawa im Park gesehen hatten, den Täter zu aufzuspüren. Zwei Tage später wurde er in seinem Appartment festgenommen und von insgesamt drei Psychiatern befragt.

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Das Urteil der Gutachter fiel eindeutig aus: Sagawa sei psychisch nicht zurechenbar. Chancen ihn zu heilen sahen sie nicht. Statt sich vor Gericht zu verantworten wurde Sagawa daher in eine psychatrische Anstalt überwiesen.

Seinem Anwalt gelang es in der Folge sich dafür einzusetzen, dass Sagawa zurück nach Japan überführt wurde. Man vermutete hier für den psychisch kranken Mann in seinem eigenen Kulturkreis bessere Möglichkeiten der Therapie. In Japan angekommen, wurde wiederum eine psychiatrische Untersuchung angesetzt, in der die Gutachter zu einem anderen Urteil kamen, als ihre französischen Kollegen. Sagawa habe lediglich eine Persönlichkeitsstörung und keine Psychose - sei daher schuldfähig. Da die Grundlage für seine Unterbringung in der Psychiatrie damit entfallen war, musste er aus dieser entlassen werden. Eine erneute Anklage war aus rechtlichen Gründen im Nachgang nicht mehr möglich. Nach 15 Monaten in einem psychiatrischen Krankenhaus in Tokio wurde Sagawa daher von den Behörden auf freien Fuß gesetzt.

Das alleine wäre schockierend genug - doch die Geschichte hatte ein weiteres absurdes Nachspiel. Nach seiner Freilassung wurde Sagawa zum Medienstar. Er wurde in zahlreiche TV-Shows eingeladen, wo er in größter Breite von seiner Tat berichtete. Auch als Buchautor und Maler verdingte sich Sagawa - und schrieb mehrere Bestseller, die sich mit Kannibalismus befassten.

Er habe die Hoffnung, gab Sagawa in einem Interview an, Menschen würden durch sein künstlerisches Schaffen besser verstehen, was ihn antreibe - und würden künftig davon absehen, ihn als nur als Monster zu sehen.

Ein Wunsch, der so schnell wohl nicht in Erfüllung gehen dürfte. #Mord #makaber #kannibale