Unfassbar, was sich ein 54-Jähriger aus Odenthal im Bergischen Land aus Ärger über einen vermeintlichen Blitzer geleistet hat. Jetzt musste er sich vor dem Amtsgericht Bergisch Gladbach wegen Beleidigung, Körperverletzung in zwei Fällen in Tateinheit mit Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten.

Im Januar hatte ein 28-jähriger Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Bergisch Gladbach Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Mit dabei im Messwagen war ein Techniker. Der Angeklagte Uli H. war an diesem Tag mit seiner Gattin auf dem Weg zum Arzt. Er hatte gerade einen Hexenschuss erlitten und dementsprechend Schmerzen.

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Trotzdem regte sich H. fürchterlich auf, als er das Blitzlicht der Messanlage wahrnahm. Mitten auf der Straße hielt der 54-Jährige an, obwohl er damit den gesamten Verkehr lahm legte und präsentierte den Mitarbeitern des Ordnungsamtes zunächst seinen Mittelfinger. Er riss die Tür des Messwagens auf und schlug nach dem 28-Jährigen.

Völlig ausgerastet

Den Schlag bestritt der Angeklagte: „Ich machte die Tür auf und habe direkt in ein Handy geguckt.“ Da habe er das Handy weggeschlagen. „Das ist mein gutes Recht. Ich muss mich nicht fotografieren lassen.“ Als der 28-Jährige den Messwagen verließ, tobte H. weiter und verpasste der Verkehrsüberwachungskraft eine Kopfnuss. Auch das bestritt der Angeklagte. Doch es kam noch viel schlimmer. H. öffnete seine Hose und folgte so dem 28-Jährigen. Ein Maler, der direkt am Tatort ein Haus renovierte, beschrieb die Szene vor Gericht so: „Er rannte ihm mit offener Hose hinterher und tat so, als ob er ihn anpinkeln wollte.“

Auch das bestritt der Angeklagte vehement.

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„Keine Ahnung, was die da gesehen haben. Ich habe nur meine Kleidung gerichtet.“ Er habe nur fragen wollen, was ihn der #Blitzer kosten werde. Für das Opfer war dieser Vorfall gar nicht lustig. „Ich habe furchtbaren Ekel bekommen.“ Es sei in sieben Jahren Arbeit das Schlimmste gewesen, was er je erlebt habe. Er habe sich in psychologische Behandlung begeben müssen. „Jetzt vor der Gerichtsverhandlung habe ich angefangen von ihm zu träumen.“

Der Spaß wurde teuer

Die Staatsanwältin forderte eine Geldstrafe von 3000 Euro und drei Monate Fahrverbot, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Strafrichter Reinhard Bohn entschied anders und verurteilte H. zu einer Geldstrafe von 4500 Euro. „Wenn Sie einen Hexenschuss haben, dann gehen Sie zum Arzt. Dieses Verhalten geht gar nicht.“ Doch der eigensinnige Angeklagte unterbrach die Urteilsverkündung. „Ich wollte doch nur wissen, was der Spaß kostet.“ Das beantwortete der Richter gerne: „Jetzt rede ich und der Spaß kostet Sie 4500 Euro.“

Übrigens: Der Angeklagte war überhaupt nicht geblitzt worden. Der Blitzer hatte dem Wagen eines Pflegedienstes gegolten, der vor dem 54-Jährigen gefahren war. Ohne seinen #Ausraster hätte ihn "der Spaß" keinen Cent gekostet. #kurios