Kapitel 1

"Leonaaaaardo". Die Stimme meines Vaters weckte mich aus wunderbaren Träumen von dem Mädchen, das ich gestern auf dem Fest in der Stadt gesehen hatte. Gestern zog ich noch mit Giovanni, meinem besten Freund, durch die Tavernen, da endeckte ich sie in einer Gruppe junger Mädchen, die offensichtlich aus gut betuchtem Hause stammten. Sie hatten einen grimmigen alten Söldner dabei, und allein dessen Miene hielt jeden davon ab, sich ihnen zu nähern. So konnte ich mit Giovanni nur am Nachbartisch sitzen und beobachten, wie sie zusammen kicherten, lachten, erzählten und einen Krug teuren Wein leerten. Sie hatte wunderschöne grüne Augen, langes braunes Haar und ein rundes Gesicht, das noch voll Unschuld war.

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Ich glaube, ich habe mich verliebt. Kann das denn so schnell gehen? "Leonardo, nun steh doch endlich auf! Wir müssen bald los, wenn wir noch zur Abendmesse in Vinci sein wollen. Du weist, dass bei einer Kutschfahrt alles Mögliche passieren kann", sagte mein Vater, als er in mein Zimmer kam. "Jaja Vater. Ich mache ja schon. Wieso musst du denn immer so ein Gehetze daraus machen?". Ein Lächeln umspielte seine Lippen: "Weil ich gern pünktlich bin, wie es sich für einen Notar gehört, wie du sehr wohl weißt. Außerdem möchtest du doch deine Großeltern nicht warten lassen, wenn sie uns extra wegen deinem 15. Geburtstag zu sich eingeladen haben. Jetzt zieh dich an, in zehn Minuten gibt es Frühstück", sprach er, machte eine Kehrtwende und marschierte wieder aus meinem Zimmer. Ich erhob mich seufzend, ging zur Waschschüssel an den Tisch und wusch mir den Schlaf aus den Augen.

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Ich ging zum Fenster und schaute dem Sonnenaufgang entgegen. Die Sonne dieses Sonntagmorgens kam gerade hinter der Kuppel der Santa Maria del Fiore, dem Dom von Florenz, hervor. Von meinem Fenster im vierten Stock unseres Hauses habe ich einen wunderbaren Blick über die halbe Stadt, da wir fast im Zentrum wohnen. Ich habe ziemliches Glück mit meinem Vater. Er, als erfolgreicher Notar, der oft sogar für die Medici arbeitet, verdient viel Geld, was uns ein gutes Leben möglich macht. Dabei bin ich nicht einmal ein Kind aus einer Ehe, meine Mutter ist eine Magd. Dass er mich als einen Sohn angenommen hat, ist ungewöhnlich gewesen. Eigentlich hätte ich ein armes Leben haben müssen, als Knecht oder irgend so etwas. Mein jetziges Leben habe ich meinem Vater zu verdanken. Ich habe meine Mutter zwar seit fast 10 Jahren nicht mehr gesehen, aber das ist nun einmal leider so. Was ich jetzt stattdessen alles tun kann, macht das mehr als wett. Mein Freund Giovanni dagegen, obwohl er Sohn eines Arztes ist, kann nicht immer durch die Stadt wandern, in die Bibiliothek oder die Taverne gehen, sondern muss oft seiner Mutter helfen oder auf seine Geschwister aufpassen.

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Auch in der Schule ist er nicht immer da.

Ich hatte mich inzwichen angezogen und und ging zum Essen. Mein Vater will heute mit mir zu meinen Großeltern nach Vinci fahren, um meinen Geburtstag zu feiern. Meine Geschenke gibt es erst dort, hat er gesagt, also musste ich mich wohl noch gedulden. "Na endlich" kommt es vom vom Tisch, an dem er gerade mit einem Glas Wasser sitzt und der Köchin dabei zusieht, wie sie das Essen fertig macht. "Ich will in zwei Stunden losfahren, um pünktlich zur Abendmesse da zu sein. Nach dem Abendessen gibt es dann die Geschenke für dich. Dieses Jahr habe ich eine ganz besondere Überraschung für dich. Freu dich schon mal." Ich nahm mir ein Käsebrot und fragte mich, was das denn sein soll, wenn er so ein Gewese um diese Sache macht.

-Fortsetzung folgt- #Fantasy #Story #Da Vinci