Wir alle kennen das Klischee des klassischen Verlierers. Arbeitslos, kein Geld, keine Aussicht auf einen neuen Job. Die Sozialwissenschaft spricht von einer Abwärtsspirale, in der sich viele Langzeitarbeitslose verfangen. Trotzdem gibt es immer mehr Menschen, die dieses Klischee sprengen und einen Weg beschreiten, der sie mitten durch das Wettbewerbssystem, mit all seinen Polarisierungen zu persönlicher Lebenszufriedenheit führt. Sie bezeichnen sich selbst als „Lucky Loser“ und werden von der Sozialwissenschaft als „good copers“ bezeichnet.

Der Begriff „Glücklicher Verlierer“ oder „Lucky Loser“ ist in sich selbst schon eine Provokation, sind wir doch darauf konditioniert diese Begriffe als etwas vollkommen Gegensätzliches zu sehen. Verlierer dürfen in unserer Gesellschaft nicht glücklich sein. Verantwortlich ist ein sozio-kultureller Code der in frühester Kindheit eingeprägt wird. Sozio-kulturelle Codes sind Prägungen, die je nach Kultur unterschiedlich sind, aber großen Einfluss auf das Denken und Handeln der Mitglieder des jeweiligen Kulturkreises haben.

Während sozio-kulturelle Codes in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet bleiben, nehmen sie in der Werbeindustrie einen sehr hohen Stellenwert ein. Einer der erfolgreichsten „Code Knacker“ ist der Psychologe und Wirtschaftsberater Clotaire Rapaille. Seine Erkenntnis, dass der Begriff „Jeep“ für einen Amerikaner eine andere Bedeutung hat als für einen Deutschen, machte ihn zu einem der erfolgreichsten amerikanischen Wirtschaftsberater. Das Wort „Jeep“ wird von Amerikanern mit Freiheit, und von Deutschen mit der Nachkriegszeit in Verbindung gebracht. Die Werbekampagnen fielen deshalb unterschiedlich aus und brachten die erhofften Verkaufszahlen. Eine einheitliche Werbekampagne wäre zum Scheitern verurteilt gewesen.

Zu den sozio-kulturellen Codes gehören auch „Schönheit“ und „Freiheit“ sowie „Gewinner“ und „Verlierer“. Aber eben diese Steuerung durch den sozio-kulturellen Code „Verlierer“ bringt im Falle der Arbeitslosigkeit immense Nachteile, weil Erwartungen und Reaktionen unbewusst auf die, hinter diesem Begriff eingeprägten Vorstellungen eingeengt werden. Im Falle der „Lucky Loser“ wird diese eingeprägte Vorstellung ad absurdum geführt. Es ist ihnen egal, was andere über sie denken, sie belohnen sich für Misserfolge oder arbeiten an ihrem Lebenstraum entgegen aller Unkenrufe, weil sie überzeugt sind, selbst im Scheitern mehr Lebenszufriedenheit zu finden als Angepasste im Erfolg.

Es mag so viele Möglichkeiten, wie Menschen geben, diesem Code ein Schnippchen zu schlagen. Gemeinsam haben sie alle eine Änderung der Perspektive, um sich und die eigene Rolle in der Gesellschaft zu definieren. Wenn diese Einstellung auch nicht den erhofften Job, Geld oder sozialen Status bringt. Mehr Lebenszufriedenheit bringt sie allemal. Der größte Vorteil liegt aber in der Erhöhung der Resilienz, also der Fähigkeit mit Krisen gut umzugehen und sie heil zu überstehen, was sich volkswirtschaftlich sicherlich positiv auf die Krankenkassen auswirken wird. #Arbeitsamt