"Ach, die Zukunft, dass hat noch Zeit.."

"Was ich später werden will? Zuerst will ich mal meinen Abschluss"

Während der Schulzeit, macht man sich mal grobe Gedanken darüber, was einen interessiert, wo seine Stärken und Schwächen liegen und was man sich überhaupt nicht vorstellen kann. Doch die wenigsten haben konkrete Pläne für die weiteren Jahre. "Ich hab ja noch ein Jahr, da finde ich schon das richtige" war die häufigste Aussage, die ich von meinen (ehemaligen) Klassenkollegen zu hören bekam.

Doch dann war plötzlich das Jahr vorbei, der Abschluss in der Tasche, und 80% meiner Freunde ohne Plan - ich mit eingenommen. Die "Frage der Fragen" schob ich immer vor mich her, denn es war ja bis zu dem Moment nicht greifbar (dachte ich mir). Auf einmal war ich komplett überfordert mit der Situation, mit meinem Leben und der Ausgangslage: Universität? Fachhochschule? Kolleg? Alles hinschmeißen? Seit Jahren hätte ich mich darauf vorbereiten können, um in dem Moment meinen Lebensplan auf den Tisch zu legen und es allen zu zeigen, aber in der Wirklichkeit sah es anders aus.

In meinem Kopf herrschte totales Chaos, welches ich durch "To-do"-Listen zu ordnen versuchte. Infoabend hier, Unibesichtigung da, Online-Anmeldung dort. Das Angebot war riesig, die Auswahl, die für mich in Frage kam, gering. Die Aufnahme-Plätze meines Traum-Studiums pro Jahr noch viel geringer -hieß für mich Chancen gleich null.

Für mich war schon immer klar, dass ich später einmal einem Beruf nachgehen will, der für mich nicht nur Beruf ist, sondern vielmehr eine Berufung. Vollkommen in meiner Arbeit aufzugehen habe ich mir als großes Ziel gesetzt, denn wie soll es ein Mensch sonst schaffen, 50 Jahre lang ohne Lust und Sinn jeden Tag zur Arbeit zu gehen? Grrrr.. das wäre ein Alptraum für mich. Leichter gesagt als getan. Trotz meiner "sogfältigen Zukunftsgedanken" stand ich mit 18 Jahren da und fühlte mich wie ins kalte Wasser geworfen.

In meiner Heimat wird es an den Fachhochschulen gehandhabt, die Anwärter/Innen durch einen Einstufungstest die Studiumsplätze zuzuteilen (auf einen Studiumsplatz kommen 8 Bewerber- na toll!). Obwohl ich eine gute Schülerin war, sah ich mich chancenlos und verwarf meine Pläne vorerst. Nun musste mein Plan B in Kraft treten: Ein Gap-Year. Dazu muss ich sagen, dass ich es jedem, wirklich jedem von Herzen empfehlen kann, sich für ein paar Monate "eine Auszeit zu nehmen" - um sich selbst zu finden, um zu reifen, um sich wohlmöglich in eine andere Richtung zu entwickeln.

Mich hat diese Auszeit (im Endeffekt von leider nur 3 Monaten) sehr weitergebracht, vor allem in Sachen Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl. Auch dieses Jahr werde ich mich bei dem Fachhochschule-Studium anmelden, doch im Gegensatz zum Jahr zuvor auch hingehen. Mein Interesse hat sich vertieft und jetzt bin ich mir sicher, zu wissen, was ich will.

Im Nachhinein bin ich unendlich dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte. Es ist sicher möglich, dass es Leute unter uns gibt, die seit sie denken können nur den einen Berufswunsch haben (großes Lob an euch!) aber natürlich auch jene, die ewig mit dieser Entscheidung hadern.

Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch, zu einem bestimmten Punkt in seinem Leben, die Antwort auf die Frage der Fragen in sich selbst findet. Der eine früher, der andere eben später...

Bildquelle: Javel Aberam / Flickr.com - Lizensiert unter Creative Commons 2.0 #Schule