Es ist 07.00 Uhr. Ich bin auf dem Weg ins Albert Schweizer Hospiz in Graz. Das Wetter passt zu meiner Stimmung. Grau in Grau. Nieselregen trägt das Übrige zu meiner schlechten Stimmung bei. Sich mit dem Thema Tod zu konfrontieren ist nicht jedermanns Sache. Während ich über die Endlichkeit des Daseins nachgrüble, fährt der Zug in Graz Hauptbahnhof ein. Jeder hat es eilig irgendwo hinzukommen. Selten ein freundliches Lächeln. Der Blickkontakt ist unpersönlich und kalt.

Nach ca. 20 Minuten Fußweg ist es dann soweit. Das Hospiz entspricht so gar nicht meinen Erwartungen. Es ist hell und freundlich und auch die Ehrenamtliche Mitarbeiterin entspricht so gar nicht dem Klischee, das man erwartet. Vor mir steht eine übers ganze Gesicht strahlende Dame, die sich anbietet mir die Einrichtung zu zeigen. Das Albert Schweizer Hospiz beinhaltet 12 stationäre Betten, 12 Einzelzimmer und 6 Tageshospizbetreuungsplätze.

Ein Tageshospiz bietet Palliativpatienten die Möglichkeit, während des Tages auch außerhalb ihrer gewohnten Umgebung an verschiedenen Aktivitäten teilzuhaben. Neben Behandlung, Beratung und Begleitung stehen auch psychosoziale und therapeutische Angebote zur Auswahl.

Der Tag vergeht schnell und am Heimweg klingen die Gespräche in mir nach. Wenn ich etwas mitnehme, dann wie wertvoll Zuwendung ist. Eine liebevolle Umarmung scheint nicht viel zu sein, kann aber unter bestimmten Umständen so viel Liebe und Wärme schenken. Wer sich mit Kranken und sterbenden Menschen beschäftigt kommt unweigerlich in einen Bereich, in dem es keine definitiven Antworten mehr gibt. Gerade diese Sprachlosigkeit ist es, die Angst macht. Man fürchtet sich vor den Momenten, in denen einem das Leid die Sprache verschlägt. Dabei sind es gerade diese stummen Momente, Momente in denen man vielleicht nur eine Hand hält, die mehr Liebe schenken, als man je mit Worten ausdrücken könnte. Einfach nur da zu sein, nicht davonzulaufen.

"Ich weiß nichts mehr zu reden, aber ich lasse mich auf diesen Prozess ein", ist eine der kostbarsten Erkenntnisse, die man aus so einer Situation mitnehmen kann. Im Erdulden und Akzeptieren dieser Ungewissheit liegt auch eine enorme Kraft, vorausgesetzt dieser Prozess wird zur Gänze durchlaufen.

Viele Menschen suchen Grenzerfahrungen indem sie in ein Kloster gehen oder Extremsport betreiben. Die Suche nach dem Wesentlichen entspricht dem Trend der Zeit. Hospizarbeit scheint sicher auch eine Möglichkeit sich selber zu finden. Das Schöne dabei ist, das man Anderen dabei hilft. Für mich jedenfalls wird dieser Tag unvergesslich bleiben. #Gesundheit