Sie tuschen ihre Wimpern vor der Kamera, was das Zeug hält. Andere färben sich ihren Ansatz nach oder verpassen sich einen schicken Ombré-Look, während die Fangemeinde dabei zuschaut. Das Ganze nennt man dann "Tutorial". Nach jedem Drogerieeinkauf werden außerdem stolz die vollgepackten Tüten in die Kamera gehalten und jedes einzelne Produkt präsentiert. Damit meint man in der Youtube-Sprache wiederum einen "Haul". Die besonders erfolgreichen Youtuber haben ihre Produkte sogar doppelt eingekauft und machen anschließend eine tolle Verlosung. Teilnehmen darf man allerdings nur, wenn man das Video "liked" und den Kanal abonniert. Und damit die ganze Veranstaltung nicht zu sehr nach Teleshopping anmutet, gibt es gelegentlich ein "Follow-me-around". Idealerweise wird man dabei von einem Reiseveranstalter gesponsert und kann sich dafür umsonst in einem All-inclusive-Hotel in Ägypten die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Die meisten nehmen dafür ihren Freund mit, der natürlich auch gerne sein Gesicht in die Kamera hält, weil er demnächst seinen eigenen Kanal auf Youtube eröffnen möchte. Ist das etwa das Fernsehen von morgen, was wir uns alle wünschen?

Die heutigen Stars der Teenies nennen sich Dagi Bee, Bibis Beauty Palace oder HerrTutorial. Sie starteten bei Youtube mit Tutorials, in denen sie unbeholfenen Zuschauern ihre geheimsten Beautytricks vorführten. Ihr Filmstudio war meist ihr eigenes Kinderzimmer und gedreht wurde mit den einfachsten Kameras bei miserabler Bild- und Tonqualität. Schaut man sich heute ihre Videos an, merkt man, dass sich an der Art und Qualität der Clips einiges geändert hat. Während man früher noch ein ehrenwertes Motiv hinter den Videos entdecken konnte, gleichen die Videos heute eher einer professionellen Teleshopping-Sendung.

Populäre Youtuber haben sich heute in Netzwerken zusammengeschlossen, welche die Funktion einer "Vermarktungsorganisation" haben. Firmen zahlen den Videobloggern bis zu fünfstellige Summen, damit sie ihre Bodylotions, Enthaarungsgeräte oder Lockenstäbe in die Kameras halten. Das ist ihre Haupteinnahmequelle. Die Werbeträger in Form der Youtuber sind ideale Kandidaten. Sie entsprechen dem Alter der Zielgruppe und sprechen ihre Sprache. In manchen Netzwerken sollen Youtuber sogar dazu aufgefordert werden, Schleichwerbung zu betreiben und die Zuschauer zum Kauf bestimmter Produkte zu animieren.

Jan Böhmermann bezeichnet das Geschäftsmodell der Youtuber in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" sogar als "Teenie-Abzocke". Dabei bezieht sich Böhmermann auf ein Video der Youtuberin Bianca Heinicke, in welchem sie ihren Followern, vorwiegend Teenies, eine Uhr für 250 EUR empfiehlt. Was viele nicht wissen: Pro verkaufter Uhr soll Heinicke 25 EUR erhalten. Irgendwie unanständig.

Das Talent eines echten Künstlers lässt sich bei den wenigsten erahnen. Spätestens, wenn ihre Follower dem Teeniealter entwachsen sind, wird sich zeigen, ob sie auch in anderen Rollen überzeugen können.

Foto: Deutscher Webvideopreis / Lizenziert unter CC BY 4.0 / flickr.com Creative Commons. #Internet