Hundeerziehung ist ein heikles Thema. Heikel vor allem puncto Rasse, Die Charaktereigenschaften der edlen Tiere sind gut bekannt. Schwierig, wenn man allerdings den Vater nur vermuten kann oder gar von den Vorbesitzern nicht die ganze Wahrheit erfährt. Das ist die Geschichte einer mittlerweile neun Jahre alten Hundedame, die uns in ihrer Jugendzeit den letzten Nerv gekostet hat. Nicht nur uns - sondern auch den Lehrern der Hundeschule, die wir mit ihr besucht haben.

An Katzen gewöhnt, umständehalber abzugeben

Es war ein Entschluss binnen Sekunden - diesen Hundewelpen schauen wir uns einmal an, der da auf der Pinwand angepriesen wird. "An Katzen gewöhnt" war das wichtigste Argument - es galt unseren Kater vor Gefahren zu schützen. Die erste Begegnung fand in einer Konditorei statt - im Gastgarten. Fini schaute uns an und es war eigentlich entschieden. Wir bekamen noch einen Autogurt geschenkt, die Vorbesitzer strahlten. Sie konnten Fini aus beruflichen Gründen nicht mehr behalten. Sie ist doch etwas lebendig - ein Satz, den wir nicht so recht beachtet haben. Fini soll ein "Unfall" in einer Dalmatinerzucht gewesen sein - ein Terrier ist eingedrungen und hat Finis Mutter verführt.

Fini muss in die Schule!

Die ersten Wochen waren fürchterlich. Fini erwies sich als hochintelligenter Satansbraten, dem wir zeitweise mit der Einweisung in ein Heim drohten. So richtig ernst gemeint war diese Drohung natürlich nicht - Fini war das natürlich auch klar. Dementsprechend war ihr Verhalten. Fini braucht eine Erziehung - das stand fest. Wir haben uns dann für eine Hundeschule in der Nähe entschieden. Fini fand die Unterrichtstunden höchst amüsant. Sie zeigte nicht nur selbst keine Anstalten irgendetwas lernen zu wollen, sondern brachte auch die andern Schüler in Versuchung. Es gibt Hunde die traben wie selbstverständlich neben Herrchen oder Frauchen her, heben nach jedem vierten Schritt den Kopf, um die nächste Anweisung entgegen zu nehmen. Fini tat das nicht.

Erste Ermahnung

Freie Spaziergänge sollten die Welpen daran gewöhnen, selbst bei Ablenkungen und anderen Versuchungen, stets dem Herrchen zu folgen. Fini tat das nicht. Im Gegenteil: sie versuchte ihre Mitschüler in den großen Maisacker "mitzunehmen", der auf dem Weg lag. Fini und ich machten uns bei den anderen Hundebesitzern nicht sonderlich beliebt. Fini hatte nämlich die Angewohnheit so nach zwanzig Minuten wieder zu erscheinen, ihre Mitstreiter hatten aber ein großes Problem damit, aus dem Maisacker zu finden. Herrchen und Frauchen machten sich auf die Suche - eine strenge Ermahnung für mich war die Folge. Es fiel auch die Bemerkung, ich und Fini nehmen alles nicht sonderlich ernst.

Schulverweis

Es hätte ein Drama werden können - zum Glück ist nichts passiert. Es geschah bei einem Spaziergang in Wald und Flur. Fini, überraschend brav, trabte neben mir. Da flog - absolut ungewöhnlich im Stadtgebiet - ein Auerhahn im Gebüsch auf. Quälend langsam erhob er sich vom Boden, Fini war nicht mehr zu halten. Hinter ihr eine Welpenmeute, die auf die nahegelegene Landstraße zusteuerte. Der LKW leitete eine Vollbremsung ein. Der Auerhahn und Fini hätten es überlebt - der Hahn flog über den Lastwagen, Fini war schon auf der anderen Straßenseite. Zum Glück konnte der LKW noch rechtzeitig bremsen. Das war auch der letzte Schultag von Fini. Sie hat sich einer Erziehung im klassischen Sinn erfolgreich widersetzt. Mit neun Jahren ist sie etwas ruhiger geworden - manchmal fällt sie aber trotzdem noch in ihre pubertäre Phase zurück. #Hobby