Jeden Donnerstag sucht auf ProSieben, Heidi Klum, Deutschlands nächstes Topmodel, ermahnt uns ihre Jury mit Zeigefinger, dass es junge Frauen mit zuviel Speck auf den Hüften und ohne Attitüde in der Show, es nicht weit bringen werden. In der Modelbranche schon mal gar nicht. Bei unzähligen Castingshows versprachen Musikproduzenten, den kometenhaften Aufstieg in den Popolymp, der zur Bruchlandung für fast jeden wurde. Selbsternannte It-Girls waren auf einmal prominent, weil sie im Dschungelcamp andere am besten beleidigen konnten. Und Supertalente fielen vor allem dadurch auf, dass sie gar nicht mehr auffallen. Aus der Show, aus dem Sinn. Blasting News hat den Weg einer jungen Frau über viele Monate beobachtet. Sunny S. Woodpecker, die auch ganz nach oben wollte - und alles richtig gemacht hat. Die Geschichte einer 25-Jährigen, die uns viele Einblicke in das knallharte Business geben wird. Aber auch den Beweis dafür liefert, dass man an seinen Träumen festhalten soll.

"So, macht mal erstmal Musik hier an!" Wenn Sunny an ein Set kommt, dann muss Action sein. Das wäre bei ihr normal, sagt sie. Und tatsächlich fängt die Blondine an zu tanzen. Heidi Klum, und die muss es doch wissen, hat erst vorletzte Woche in der Show einem Model knallhart ins schöne Gesicht gesagt, sie fliegt, wenn sie noch einmal dem Kunden so unerhört gegenüber tritt. Wir lernen seit 10 Jahren von der Klum, dass man zum Set ungeschminkt kommt, Klappe halten muss und die Anweisung des Kunden zu befolgen hat. Tanzen geht ja schon mal gar nicht. Denn es ist eine Ehre für das renommierte Pferdemagazin oder was auch immer für eine Zeitschrift von L.A., die da hoch gelobt wird, ein Shooting zu haben.

Nur welche Konsumenten zwischen 14 und 29 Jahren kaufen noch Hochglanzmagazine und schauen sich Bilderserien an? Heute identifizieren sich vor allem junge Verbraucherinnen mit der Werbefigur und checken das Produkt vorher online. Die Werbefigur muss auch glaubwürdig sein. Wenn Lena Meyer-Landrut eine L'Oréal-Pflege bewirbt, die aber so teuer ist, dass sie kein Teenager, die eigentliche Zielgruppe, vom regulären Taschengeld kaufen kann, nützt das Gesicht nichts. Meyer-Landrut ist jung, hübsch, ist rasch auf Haarfarbe umgeschwenkt und damit noch unglaubwürdiger. Regel Nummer 1: Sich nicht verstellen und ehrlich hinter der Kampagne stehen.

Sunny aber ist glaubwürdig. Sie tanzt, weil sie happy ist, am Set zu sein. Weil sie sich wie ein Honigkuchenpferd über die Klamotten des Labels freut, welche sie gleich tragen darf. Da kommt also so ein stinknormales Mädel aus dem Rheinland daher und macht einen auf Stimmung in der Bude. Es zahlt sich aus. Sunny war bei Versace und ihr Gesicht stand für Douglas oder war es für die "Otto Fanpage", dem zweitgrößten Versandhändler der Welt. Seit 2001 moderiert, schauspielert und tanzt Woodpecker. So erfolgreich, dass sie gut leben kann davon. Regel Nummer 2: So bleiben wie man ist.

Wie fing alles an? Sunny wollte schon als Kind Model werden, ihr Papa musste sie immer fotografieren. Dann wurde sie eine Frau. "Ich bin los, habe die Einkaufszentren abgeklappert." Damals lebte sie noch bei ihren Eltern in Stuttgart, bevor sie in ihre jetzige Heimat Düsseldorf zog. Sunny fing dort an für Orsay - eine Modekette für Frauenbekleidung - zu modeln und hatte Shootings beim lokalen Douglas in Stuttgart, wo sie immer noch im Schaufenster hängt. In Düsseldorf hängt sie auch für verschiedene Geschäfte ab - in riesigen Schaufenstern.

Im #Fernsehen wohnen die Models in pompösen Villen und warten dort darauf, zum Casting abgeholt zu werden. "Ich halte von so einer Show nicht viel und es entspricht nicht dem wirklichen Leben im Modelbusiness." Denn für den Weg zu großen Castings in New York, Mailand oder Paris fehlen einem am Anfang schlichtweg mal die Kröten für das Flugticket. Die Unterkünfte sind die Flughafenhallen oder die letzte Absteige, weil alles andere unbezahlbar ist. Die Konkurrenz bleibt sowieso riesig. Sunny blieb erstmal bei regionalen Aufträgen, baute sich eine Bekanntheit in ihrer Heimatstadt und in Düsseldorf auf. Regel Nummer 3: Klein anfangen.

Und an sich als Marke arbeiten. Sunny vermarktet sich ohne Agentur bis tief in die Nacht - sie postet online ihre anstehenden Auftritte, lädt Fans dahin ein, macht Werbung für sich und die Kunden. Dafür bezahlt sie niemand. Nie vergessen: Fans! Sie antwortet regelmäßig, verschickt Autogramme, wenn das jemand wünscht, bedankt sich immer für Feedback. Manchmal gibt's sofort eine Antwort auf ein Posting. Viele lassen das von Agenturen machen. Regel Nummer 4: Fans halten zu dir und sind wie deine Familie! Wer eine geringe Wertschätzung für diese hat, hat verloren.

Lesen Sie am 17. April 2015 im zweiten Teil unserer Serie über Sunny Woodpecker, ihren Einstieg vor und hinter den Kulissen im Fernsehen. Titel: "Barbie-Queen zu Gast beim Bachelor"