Am 12. März konnte Ariana Miyamoto ihren Ohren nicht trauen: Die Jury wählte die 20-Jährige zur neuen Miss Japan. Jubel, Freudentränen, Siegerlächeln. In der neuen, siegreichen Rolle darf sie Japan kommenden Mai in der Konkurrenz um die Miss Universe vertreten. So weit, so gut.

Doch einigen Japanern schmeckte dieser Sieg nicht so recht. Ariana Miyamoto sehe nämlich nicht japanisch genug aus. Die Tochter einer Japanerin und eines Afroamerikaners sei somit nicht geeignet, Japan bei der Wahl um die Miss Universe zu vertreten, meinen einige.

Die Botschaft dieses Verhaltens lautet: Wer zu uns gehören will, muss so sein wie wir. Das entspricht der Ökonomie unseres Bewusstseins, denn alles Gleiche bedarf keiner Prüfung, ob es ins gemeinsame Bild passt oder nicht, ob es als unangenehm, unpassend, verwerflich oder gar gefährlich eingestuft werden muss. Wer es sich mit dieser Denkweise in seinem Leben gut eingerichtet hat, macht sich das Leben recht einfach. Das Erkennen von Unterschieden ist im Gegensatz zum Erkennen von Gemeinsamkeiten die mühsamere Arbeit, mitunter aber auch die lohnendere, denn wer nach einer Identität sucht, benötigt eine Grenze, an der seine Identität endet und eine andere beginnt. Ohne diese Grenze zerläuft das Selbstbild farblos. Doch mit der Grenze erst wird es erkennbar.

Der eigentliche Gewinn dieser Art der Abgrenzung ist aber, dass man erkennen darf, dass die andere Identität, die knapp vor der eigenen beginnt, mindestens so wertvoll ist wie die eigene. Wenn also Ariana Miyamoto nicht japanisch (genug) aussieht, dann hat das mindestens zwei Konsequenzen, die uns helfen, unser bequemes ökonomisches Denken auf die Probe zu stellen: Den Japanern sei es einmal mehr gegönnt, darüber zu sinnieren, was denn das Japanische eigentlich ausmacht. Der Medienkonsument darf sich überlegen, ob nationale Zuordnungen in einer globalisierten Welt noch Sinn haben und inwieweit unser Wissen über das Fremde überhaupt ausreicht, um differenziert darüber urteilen zu können. Sollte Ariana Miyamato Miss Universe werden, wird sie zumindest ihrer Rolle gerecht, denn das Universum ist ja angeblich nicht nur japanisch.

Bild: flickr.com #Schönheit