Ulrike Folkerts. Andrea Sawatzki, Maria Furtwängler oder Simone Thomalla - Kommissarinnen prägten und prägen die erfolgreichste Krimiserie der Welt, den "Tatort". Einen ganz anderen, realistischen Blick, wirft der Fernsehfilm "Eine wie diese" auf dieses Thema. 1974 versucht eine junge Frau ihren Traumberuf Kriminalpolizisten zu ergreifen - zweifelt aber schon bald, ob das eine richtige Entscheidung gewesen ist. Das familiäre Umfeld reagiert distanziert bis geschockt.

Tatort 1974 - ein Rückblick

Um sich in etwa vorstellen zu können, von welcher "Epoche" wir sprechen, ein kurzer Überblick über die Tatort Folgen aus dem Jahr 1974. Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke eröffnete die "Tatort" Saison. Extrem populär Hansjörg Felmy als Kommissar Haferkamp - er durfte 1974 dreimal ermitteln. Auch der ORF war natürlich schon damals mit von der Partie. Kommissar Marek, dargestellt vom legendären Fritz Eckhardt, ermittelte über einen Mord im Ministerium. Walter Richter war als Kommissar Trimmel zu sehen. Eine Frau als Kommissarin war, selbst im TV-Krimi, undenkbar. Eher typisch die Vertragsangestellte Susi Wodak (legendär: Lieselotte Plauensteiner, später ein Star im Kinder-TV des ORF) im Österreich Tatort, die ihrem Chef Viktor Marek in der Früh immer einen "Mokka" zubereitet. Der große Berufsstress hielt sich aber in Grenzen, auch persönliche Probleme hatten die Kommissare in keiner Weise. Sie konnten sich, ohne Ablenkungen, um ihre Fälle kümmern.

Die Realität im Tatort war der Fiktion voraus

Nicole Heesters war die erste Tatort-Kommissarin - Debüt 1978. Die Reaktionen des Publikums waren zunächst durchwachsen. In der Realität war es Siggi Thieme, dargestellt von Cornelia Gröschel, die sich Mitte der siebziger Jahre ihren großen Berufswunsch erfüllen wollte. Die Sekretärin bewirbt sich als Krimnalpolizisten und löst in ihrem Umfeld Unverständnis aus. Sie bricht aus den vorgegebenen, traditionellen Lebensplanungen aus und versucht, ihren Traum zu verwirklichen. Im ZDF Interview erklärt die Hauptdarstellerin Cornelia Gröschel: "Für mich sind die damaligen Umstände kaum noch vorstellbar. Ich weiß es nach diesem Film mehr zu schätzen, dass wir Frauen heute diesen Kampf nicht mehr von Grund auf kämpfen müssen, sondern auf einer Basis aufbauen können, die die Frauen dieser Zeit für uns geschaffen haben." Der Film selbst ist aber durchaus vielschichtig. Er zeigt auch die Zweifel von Siggi, ob sie wirklich den richtigen Weg gewählt hat. Zudem verliebt sie sich in ihren Chef, obwohl mit ihrem Freund das weitere Leben schon recht genau geplant ist. Ein Film mit Hirn und Herz und eine ausgezeichnete Studie über die Emanziptaion der Frauen im Berufsleben. Zu sehen ist "Eine wie diese" am 10. Mai 2015 um 20:15 Uhr im ZDF in der Reihe "Herzkino". #Fernsehen

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