Eine höchst interessante Dokumentation von Hauke Wendler und Carsten Rau ist am 4. Juni 2015 ab 16:30 Uhr auf Phoenix zu sehen. Ein ganzer Industriezweig lebt davon, den Menschen zu versprechen, mit diversen Mitteln allen „schädlichen“ Keimen den Garaus machen zu können. Die Umsätze gehen in die Milliarden – allerdings sind Bakterien lebenswichtig. Killen wir unsere besten Freunde mit unserem Sauberkeitswahn?

99,99% aller Bakterien beseitigt

Der Konsument glaubt derartigen Versprechungen allzu gerne. Der Mikrobiologe Henrik Gabriel macht den Praxistest. In einem Haushalt, in dem besonders häufig und intensiv mit desinfizierenden Mitteln geputzt wird, werden Proben genommen. Im Vergleich zu einem Haushalt, in dem keine antibakteriellen Reiniger verwendet werden, zeigt sich aber, dass etwa genauso viel Luft- und Hautkeime nachgewiesen werden konnten. Die Wirksamkeit der Putzmittel wird unter Laborbedingungen getestet, das hat aber mit der Wirklichkeit offensichtlich wenig zu tun.

Gefahr von Allergien

Allgemein bekannt ist ja schon, dass allzu intensives Putzen und der Einsatz von antibakteriell wirkenden Reinigungsmitteln Allergien auslösen können. Der Mensch muss aber mit den „Schadstoffen“ in Berührung kommen, um diese richtig "beurteilen" zu können. Die orale Phase beim Kind – alles wird in den Mund gesteckt – soll den Körper mit diesen Bakterien „bekannt“ machen. Ist aber alles desinfiziert, fehlt dieses Training. Wissenschaftler vermuten darin einen Grund, warum Allergien faktisch zur Volkskrankheit geworden sind. Wenn der Körper nicht mehr zwischen „Gut und Böse“ unterscheiden kann, reagiert er eben auf harmlose Blütenpollen sinnlos aggressiv. Eine der bekanntesten Formen der Allergie - im Volksmund auch „Heuschnupfen“ genannt.

Hygiene – einst und jetzt

Im Mittelalter war es üblich, die Notdurft auf der Straße zu verrichten. Auch Schlachtabfälle, wie Gedärme und Blut, wurden einfach auf der Straße entsorgt. Einem Menschen von heute würde sich wahrscheinlich der Magen umdrehen, wenn man durch die Straße einer Stadt im Mittelalter gehen würde. Die Stadtverwaltungen erließen, als es absolut unerträglich wurde, Erlässe, um diese Gewohnheiten abzustellen. Eine Kanalisation brachte dann die endgültige Lösung dieser Problematik. In der Medizin setzten sich Hygienevorschriften eigentlich sehr langsam durch. Ignaz Semmelweis war ein Pionier auf diesem Gebiet. Der Einsatz von Chlorkalk zur Desinfektion der Hände im Krankenhaus, schraubte die Sterberate von Müttern durch das sogenannte Kindbettfieber von 12,3 auf 1;3% herab.

Foto: Bad, flickr.com
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