Ob an Hauswänden, alten Mauern, unter Brücken oder Werbeplakaten. Sogennante "Streetart", zu deutsch "Straßenkunst", begegnet uns fast täglich. Aber selten nehmen wir es wahr oder denken darüber nach. Vielleicht hin und wieder mal "Oh! Das sieht aber toll aus!" Vorallem alte Menschen hört man schimpfen "Was für schmierereien wieder. Die gehören hinter Gitter". Aber woher kommt diese Kunstform eigentlich, und was macht sie so attraktiv für Jugendliche ?

"Streetart" besteht im Grunde genommen aus der Graffiti #Kunst. Diese hat ihren Ursprung Im New York der 1970er Jahre. Amerikanische Jugendliche dachten sich Spitznamen aus und sprühten diese an Hauswände und alte Mauern. Diese Spitznamen heißen im Grafitti Jargon "Tags" und jeder Sprayer besitzt einen. Irgendwann wurde den Sprayern die normalen Buchstaben zu langweilig und sie begannen ihre Namen in großen 3D Lettern mit Farbe und Gestaltung an die Wände zu sprühen. Die Geburtsstunde der Grafitti Bilder. Ein Graffiti Bild heißt im Graffiti Jargon "Piece".

Unter Sprayern ist die Königsdiziplin das Zügebesprühen. Entweder in U-bahntunneln, auf Abstellgleisen einen Zug bemalen oder ganz groß in Wartungsanlagen der Deutschen Bahn einbrechen und den gesamten Zug besprühen. In diesem Falle spricht man von einem "Wholetrain" (ganzer Zug).

Mehrere Sprayer schließen sich oft zusammen und bilden eine "Crew". Eine der bekanntesten Crews kommt aus Berlin. Die "1up-crew". "1up" steht für one united power, übersetzt "eine gemeinsame Kraft". Viele Crews laden Videos ihrer Aktionen ins Netz. Wie zum Beispiel diese hier:

 

Aber Streetart ist mehr als das.

Immerwieder sieht man an Hauswänden auch politische Texte oder Bilder, oft ziemlich klein. Das sind Schablonen, welche man sich entweder selbst malen oder auch ganz einfach im Internet herunterladen kann. Also der Versuch, eine politische Meinung mithilfe von Kunst an die Öffentlichkeit zu bringen. Diese Form von Streetart hat seine Ursprünge in Paris 1980. Ein Künstler sprühte mit Hilfe von Schablonen Ratten an Pariser Hauswände oder Mauern.

Heutzutage ist Grafitti eine angesehene Kunstform. Schablonen-Graffitis des britischen Künstlers "Banksy" werden sogar in bedeutenden Kunstmuseen ausgestellt.

Streetart ist Kunst. Keine Frage. Grenzen zwischen Kunst und Vandalismus sollten trotzdem gezogen werden. Der Sachschaden aufgrund von Grafitti-Bildern an Zügen der Deutschen Bahn betrug 2011 rund 50 Millionen Euro. Die Täter? Zwischen 14 und 40 Jahren alt. Jeder kann es lernen. Das macht es warscheinlich auch so attraktiv für Jugendliche. Egal aus welcher Sozialschicht. Eine Dose Sprühfarbe kostet im Internet zwischen drei und fünf Euro. Auch der Adrenalinkick "Ich darf nicht erwischt werden"  macht  das Sprayen für viele Menschen interessant. Meistens steht aber die Kunst im Mittelpunkt oder der Ausdruck seiner Meinung zu einem bestimmten Thema.

Die Illegalität solllte man trotzdem nicht aus dem Auge lassen. Sachbeschädigung ist nach § 303 StGB eine Straftat. In vielen Deutschen Städten wurden, um die Kriminalität zu vermeiden, Wände zum freien Besprühen zur Verfügung gestellt.

Ich hoffe das nächste mal wenn sie Streetart oder ein Graffito sehen, denken sie an diesen Artikel und denken über die Absichten des Künstlers nach. Kunst? Ausdruck seiner politischen Meinung? Einfach nur Rumgekrakel? Oder doch der Wunsch langweilige Grautöne einer Stadt farbig zu gestalten. #Hobby