Was unterscheidet den russischen Militäreinsatz im Ausland von den anderen? Man soll selbstverständlich nicht an alles glauben, was Putin oder Dmitri Medwedew zu sagen haben. Wie die Behauptung, die Russische Föderation sei unbeteiligte dritte Seite des Bürgerkrieges in der Ukraine. Dieselbe Regel gilt aber auch für Washington, der Türkei und Saudi-Arabien. Insbesondere bezüglich Syrien.

Russland verteidigt sich selbst und seine Großmachtstellung

Dieser Militäreinsatz der Streitkräfte Putins ist eine Tat der Verzweiflung. Als die Außenminister Frankreichs, Deutschlands und Polens Janukowytsch als Gegenleistung für Zugeständnisse - zugunsten der pro-westlichen Opposition das Bleiben an der Macht versprochen haben und schon am nächsten Tag der rechtmäßige ukrainische Präsident gestürzt wurde - da musste man kein Prophet sein um zu ahnen, dass diese unvermeidliche Vorbereitung die neuen Stellvertreterkriege bedeuten. Denn wenn die Russen denken, dass ihnen Unrecht getan wurde, dann nehmen sie erbarmungslos Rache.

Diesmal ist ihre Rache auch berechtigt. Es waren Gräueltaten, die durch kriegerische Islamisten in Russland und die sogenannten Heiligen Krieger in Syrien begangen wurden. Der Bombenkrieg der Russen hat den Verlauf der Kämpfe zugunsten der Seite, die ums Überleben kämpft, geändert. Dabei wird der einzige Stützpunkt der russischen Marine im Mittelmeer verteidigt.

Wenn Brandstifter löschen

Die neuesten großen Siege der syrischen Regierungstruppen gehen den sunnitischen Brüdern der syrischen Rebellen mächtig auf die Nerven. Dies hat schwere Folgen  - auch für die diplomatischen Friedensbemühungen:

Wer spielt mit gezinkten Karten und wer spielt verrückt?

Die Türkei und Saudi-Arabien einerseits und die IS-Terrororganisation anderseits scheinen gegeneinander ähnlich zu sein, indem ihre Staatsführung es kaum versteht, dass sie sich selbst in eine lebensgefährliche Sackgasse bringen können. Man kann die sog. Heiligen Kriegen als Armee von lebenden Toten bezeichnen. Manchmal werden auch ganze Staaten zu lebenden Toten, wenn ihre mächtigen Verbündeten sie ermuntern in einen Krieg zu ziehen, wo sie bereits in der Vorrunde verlieren müssen.

Zum Vergleich – die türkische Panzerwaffe aus der Zeit des Vietnamkrieges, die jetzt an der Grenze mit Syrien rollt:

Bei einem großen Schachspiel, die man auch die große Politik der Weltmächte nennt, werden nicht einmal die Bauer geopfert. Das ist ein sehr interessantes Spiel zwischen den Westmächten und Russland. Die unmittelbare Verwicklung Russlands in Nahost kam den Amis sehr gelegen. Russland erledigt für sie die schmutzige Arbeit - und auf Kosten der russischen Staatskasse dazu. Das gibt Gelegenheit, Russland noch mehr propagandistisch anzugreifen, vor allem aber bedeutet das, die Vergeudung der Mittel aus dem Stabilisierungsfonds für die Militärausgaben. So lange am Ende die Staatshilfe für die inländische Industrie und Landwirtschaft nicht mehr möglich wird.

So ein Szenario kann vermieden werden, wenn Putin die Entscheidung trifft, Saudi-Arabien militärisch zu angreifen. Dann werden die Ölpreise den sogenannten Schwellenpreis blitzschnell überschreiten und der russische Staatshaushalt sowie die Handelsbilanz wird erneut durch Überschüsse gezeichnet. Wozu das alles? Die sogenannte Schieferrevolution, die für die US-amerikanische Selbstversorgung mit Energierohstoffen von entscheidender Bedeutung ist, wird dann auch tatkräftig fortgesetzt können. Man kann vielleicht von der IS und sogar der Flüchtlingskrise mit ihren Folgen als einen Teil der Geopolitik der Schieferrevolution bezeichnen.

Fotos: 1tv.Ru #Naher Osten #Wladimir Putin #Terrorismus