Die digitale Revolution – schöne neue Welt oder schöne Scheiße? Was wirklich auf uns zukommt, kann niemand ganz genau sagen. Oft hört man jedoch, dass eine ganze Menge Arbeitsplätze wegfallen, weil Maschinen die Arbeit für uns erledigen. Zum Ausgleich wird wohl der der sog. tertiäre Sektor, also Dienstleistungen, wachsen. Das wird das Dienstleistungsprekariat vom Prenzlauer Berg bestimmt ganz besonders freuen. Die wissen zum großen Teil ja heute schon nicht mehr, wie sie die Rate für ihr MacBook abbezahlen sollen. Drängen noch mehr gut ausgebildete, anspruchslose, für einen Hungerlohn arbeitende Menschen in diesen Bereich – naja, kann sich ja jeder selbst ausmalen.

Das wirklich Interessante daran ist, dass diese ganze sogenannte „Revolution“ keine Sau interessiert. Was machen wir denn aus den neuen Möglichkeiten, die wir plötzlich haben? Bescheuerte Hashtags zu Themen, die morgen schon von gestern sind. Oh, der Brüderle hat einer Frau mit großen Brüsten seine „Tanzkarte“ angeboten. Ein wahrer #Aufschrei. Dass Frauen immer noch deutlich schlechter bezahlt werden als Männer, dass Alleinerziehende oft am Existenzminimum herum krebsen – von der privaten Altersvorsorge mal ganz zu schweigen (ja, die Rente ist nämlich doch nicht so sicher) – ist da nicht ganz so wichtig. So ein Hashtag ist halt auch einfach hipper als dieses olle Politikzeugs. Dafür hat man heute keine Zeit mehr, der nächste Facebook-Post wartet nämlich. Manchmal wünsche ich mir, dass einige Leute die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches hätten, vielleicht käme dann mehr heraus. Geschenkt. 

Stattdessen feiern wir den neusten heißen Scheiß, der seinem Namen alle Ehre macht. Machen Fotos von unserem Erdbeer-Frappuccino, für dessen Preis ein Kind in der Dritten Welt einen Monat lang ernährt werden könnte und finden uns einfach korke.

Was ist eigentlich passiert mit dem Land, in dem Bürger wegen einer Volkszählung auf die Straße gegangen sind und Demo nicht nur was für Pegida war? Vorbei. Heute hecheln wir dem nächsten Like einer mit uns zwar befreundeten, aber im Grunde vollkommen fremden Person auf Facebook hinterher. 

Christopher Clark vertrat kürzlich bei Precht die Theorie, dass wir von den neuen Möglichkeiten schlichtweg überfordert sind. Das könnte ein Grund sein, warum wir uns in solche Banalitäten flüchten. Vielleicht sind wir aber auch einfach ignorant bis zum Gehtnichtmehr.

Wo sind eigentlich die jungen Leute? Also diejenigen, die normalerweise für Revolte und dergleichen zuständig sind? Damit meine ich die wirklich jungen Leute, ich sage es deutlich: die unter 20jährigen. Nicht diejenigen, die auch noch mit Mitte 40 mit einem Disney Shirt herumrennen in der irrigen Annahme, 40 sei das neue 30 oder 20 oder was weiß ich. Bullshit. Wenn es so wäre, müsste man sich wohl nicht die Haare tönen. 

Achso: Die Jugend hängt vorm Rechner und schaut Bibi beim Schminken zu. Ist auch so schön einfach. Fingerchen bewegen, anderes Programm klicken. Das ist das neue, digitale Leben. Irgendwelche Hansel von YouTube kommen zu Popularität und scharren eine Anhängerschaft um sich. Tja, eigene Meinung war gestern, bzw. 1968 wie es so schön heißt.

Dabei könnten wir wirklich etwas machen aus den unendlichen Weiten, die uns das Netz bietet. Aber leider müsste man sich dazu bewegen. Und wenn dann mal tatsächlich jemand was macht, kümmert sich ganz schnell der Große Bruder um ihn. Update: Snowden sitzt immer noch in Russland (fest)! Kümmert auch keine Sau. Unsere Bundeskanzlerin, mit dem schönen Beinamen Mutti, knickt vor einem Despoten ein. Und btw: Seit dem 10.5 wird auch wieder (zurück)geschossen. Allerdings dieses Mal auf Flüchtlinge. Aber: Osteuropa passt in diesem Zusammenhang ja ganz schön.  #Android #PEGIDA #Bibis Beauty Palace