In einem Interview mit der "Welt" spricht sich S. Çinar gegen das Gebot vieler Schulen aus, dass auf den Schulhöfen Deutsch gesprochen werden müsse. Dies wäre ein Eingriff in die Freizeit aller ausländischen Kinder, nicht nur der türkischen und sogar ein Eingriff in ihre Freiheit. Es gäbe für solch ein Gebot auch keine Rechtsgrundlage. Außerdem hätte jedes Kind ein Recht darauf, Geheimnisse zu haben, die es nur mit seinen Freunden teilt. Das sei keine Respektlosigkeit gegenüber den deutschen Kindern und wenn diese sich dadurch ausgegrenzt fühlten, sollte das pädagogisch gelöst werden. Respektlos sei es dagegen, wenn den Kindern in ihrer Freizeit vorgeschrieben würde, welche Sprache sie sprechen müssten. Wenn sie das Sprechen der Deutschen Sprache in den Pausen nicht praktizierten, sei das kein Nachteil für ihre deutsche Sprachkompetenz. Es sei die Aufgabe des Unterrichts, ihnen diese anzutrainieren. Çinar glaubt, dass mit dem Sprachverbot auch nur bestimmte Kulturen diskriminiert würden. In seinen Augen herrsche eine "erschreckende Respektlosigkeit" gegen ausgewählte Volksgruppen. Sprächen die Kinder Englisch oder Französisch, würden alle darüber in Jubel ausbrechen. Entgegen den Erfahrungen der  Herbert-Hoover-Realschule in Berlin, wonach sich durch das Deutschgebot die Schulabschlüsse der Kinder verbesserten, ist er der Meinung, dass Bildung und Sprachkompetenz ein Problem der sozialen Herkunft sei und nicht der ethnischen. 

In diesem Interview reiht sich ein Fehler an den anderen. 

Eingriff in die Freiheit und Freizeit der Kinder

Der erste Fehler im Denken Çinars ist die Ansicht, eine Schule könne und dürfe nicht in die Freizeit eines Kindes eingreifen. Pausenzeit ist aber keine Freizeit. Wäre sie Freizeit, dürfte das Kind den Schulhof verlassen und sich sonstwo herumtreiben. Dies ist aber verboten. Die Schulen haben das Hausrecht und können Regeln aufstellen. So zum Beispiel ob und wo geraucht werden darf oder, in anderen Ländern, welche Kleidung zu tragen sei, sprich: Schuluniform. 

Jedes Kind hat ein Recht auf Geheimnisse

Dieses Recht wird durch das Deutschgebot auch keinem Kind genommen. Sie können sich abseits stellen, sich ins Ohr flüstern, Briefchen schreiben etc. Çinar macht sich dabei keine Gedanken, was mit der Geheimnisbewahrung bei deutschen Kindern ist, die sich nicht in einer anderen Sprache unterhalten können. Die deutschen Kinder scheinen ihm also egal zu sein. Er sieht nur eine Benachteiligung der ausländischen Kinder. Fühlen sich deutsche Kinder ausgegrenzt, so sollte das pädagogisch gelöst werden. 

Sprachtraining in den Pausen ist nicht wichtig

Völlig die Fakten ignorierend, dass sich durch das Sprachgebot die Leistungen der Schüler verbessert haben, bleibt er bei seinem Glaubensbekenntnis, dass das Üben des Sprechens der deutschen Sprache in den Pausen unwichtig sei. Doch wo, wenn nicht dort, sollten die ausländischen Kinder das Sprechen der deutschen Sprache üben? In ihren Familien wird in der Regel ihre Heimatsprache gesprochen, in ihrem Freundeskreis ebenfalls, wenn er sich vorrangig aus ethnisch Gleichen zusammensetzt. Im Unterricht kommen die Kinder nur kaum zum Sprechen, sie haben zuzuhören und manchmal eine Antwort zu geben. Vom Zuhören hat noch keiner gelernt, eine Sprache zu sprechen. 

"Erschreckende Respektlosigkeit" aber nur gegenüber bestimmten Ethnien

Nein, Herr Çinar, wir wären nicht froh, wenn norwegische Schüler nun Norwegisch in den Pausen sprechen würden, oder finnische Kinder Finnisch. Aber, ja, wir würden jubeln, würden alle in der Pause üben, Englisch zu sprechen. Nicht aus Bevorzugung der Engländer oder Amerikaner sondern, und das weiß Çinar ganz genau, weil Englisch die Weltsprache ist, anders als Arabisch, Farsi oder Finnisch. Und wenn Bildungserfolg nichts mit Ethnie zu tun hat, sondern nur mit sozialer Herkunft, dann frage ich mich, warum alle arabischen Länder auf keinen grünen Zweig kommen. Aber ich kenne schon die Antwort: Wir sind immer die unschuldigen Opfer!

  #Türken #Islam #Flüchtlinge