Ich habe den Aufsatz von meinem deutschen Lieblingsblaster Monte Veritas, wo die trostlosen Verhältnisse im ehemaligen Ruhrgebiet beschrieben wurden, ohne Überraschung gelesen. Auch seine Meinung: Muslime haben keinen Respekt vor Deutschen, hat mich leider auch kaum überrascht. Ich schreibe: leider, weil ich ganz im klaren bin, was für Folgen das eines Tages auch für mein Vaterland #Polen haben kann. Desto mehr, dass wir einst ziemlich ähnliche Kummer bei uns hatten.

„Volk, Staat, Gott!“ gegen „Gott, Ehre, Vaterland!“

Ihre Grundsätze waren schlicht, einfach und hart wie Stahl. Z. B.: „Eine Goethe-Schülerin liebaügelt nicht mit Polen.“ Die deutschen Mädchen durften keine polnische männliche Freunde haben. Sonnst würden sie in Wohnung eingekapselt oder noch schlimmer. Sie waren erzogen, um deutscher zu sein als die Deutschen im Reich. Und sie waren so gerne. Sie empfanden sich dabei als eine Elite. Die harte körperliche Arbeit verrichteten für sie schliesslich die Polen. Sie dafür lebten fast alle in den priviliegierten Verhältnissen.

Die deutschen Einwohner der Woiwodschaft Pommerellen; die Westpreußer. Und sie machten so weiter. Das eigene Schulwesen mit Deutsch als Unterrichtssprache war A und O für ihr Überleben als nationale Minderheit in der Republik Polen. Selbstverständlicherweise! Sogar die Sanatoren-Diktatur in Waschau, die eigene Landsleute erschiessen und in Konzentrationslager einsperren ließ, hatte etwas Verständnis dafür. Und wie sie das genutzt haben? Der Schulneubau in Grudziądz (Graudenz) im Bauhausstil, 1932 fertiggestellt – mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise; laute, überflüssige Ausgabe. An die Beziehungen, die dort geherrscht haben, hab ich schon erinnert.

Der Hitlergruß, wenn sogar ohne: Hitler, und „nur“ mit: Heil, auf den Straßen der Stadt, die damals schon mehrheitlich durch polnische Bevölkerung bewohnt war, gehörte dazu. Erst Jahrzehnte später haben die ehemaligen Schüler des Goethe-Gymnasiums in Graudenz verstanden: sie und ihre Eltern haben auf diese Art und Weise bereits deutlich zu Tage tretenden Riss zu einer unüberbrückbaren Kluft gemacht.

Die polnischen Behörden wussten von allem. Sie taten aber nur sehr wenig dagegen, um nicht das einzige polnische Gymnasium im Deutschen Reich, das auch seit 1932 in Bytom (damals: Beuthen, Oberschlesien) funktionierte, zu gefährden. Trotzdem in 1930ern wurde das deutschsprachige Schulwesen in Polen fast vollständig abgeschafft oder lahmgelegt. Die Entscheidungen dafür wurden noch vor der Machtübernahme in Berlin getroffen.

Die Sanatoren haben vergessen, was die obgenannte Parole heißt; dass der Pole niemals für sein Vaterland gegen Gott und seine eigene Ehre kämpfen darf. Sonst wird ihn Gott der Allmächtige bestrafen. Das Ende ist allgemein bekannt: Unrecht wurde mit Unrecht beantwortet so lange, als wurde halb Europa dadurch verbrannt.

So lange die polnischen Nationalen bei der Macht waren...

führten sie eine ganz andere Politik. Sie wollten das Schulwesen in beiderlei Gestalt: auf Polnisch und zugleich in der Sprache der jeweiligen nationalen Minderheit in jedem Gebiet, wo eine Minderheit bewohnte, schaffen. Sie hatten keine Absicht ihre Mitbürger zu entnationalisieren, sondern die jungen Leute als gute polnische Bürger für Demokratie und Freiheit zu erziehen. Sie haben den Entwurf zu verwirklichen begonnen, als ihre demokratisch gewählte Regierung durch sozialfaschistische Chauvinisten gestürzt wurde. Seit diesem Augenblick war das Abzählen zur größten Katastrophe der europäischen #Geschichte seit der Völkerwanderung begonnen. Man sagt, die Geschichte wiederholt sich... Haben dies jedoch einige Leute richtig verstanden? Womöglich. Z. B. die Grudziądzer, die mehrheitlich deutsche Vergangenheit ihrer Stadt auf Polnisch wieder lebendig machen versuchen (im Titel).

Meine Quellen: Ingo Eser, „Volk, Staat, Gott!“: die deutsche Minderheit in Polen und ihr Schulwesen, 1918-39, Wiesbaden 2010, S. 585; YouTube-Video: Als der Osten noch Heimat war   Westpreußen Doku