Es ist im Grunde egal, über was wir reden. Es mag die Debatte über die #Flüchtlinge sein, über die etlichen Konflikte zwischen verschiedenen religiösen oder ethnischen Gruppierungen, Ländern, Menschen. Über das Verhältnis von Familienmitgliedern, über Arbeitsverhältnisse, die Beziehung zwischen Alt und Jung, Erfahren und Unerfahren, was auch immer existiert an zwischenmenschlichen Beziehungen. Es läuft für mich immer wieder auf eines hinaus und das ist die Frage, mit welcher Perspektive und Einstellung ich meinem Nächsten und der Welt gegenüberstehe.

Wenn wir verlernen, Mensch zu sein

Ich stehe da und ich habe das Gefühl, wir verlernen Mensch zu sein. Dabei sind wir selbst Menschen und wir müssten am besten nachempfinden können, wie an anderer Mensch fühlt. Wir müssten seine Ängste und Sorgen kennen und sie mindern, seine Wünsche und Hoffnungen auffangen, ihn zur Hilfe eilen in schlechten Zeiten und uns für ihn freuen in guten. 

Und doch, ich stehe da und habe manchmal das Gefühl, dass mein Gegenüber aus einem anderem Universum stammt. Als ob wir nichts gemeinsam hätten, als ob ich nur Kälte und Hass spüre, wo ich nach Liebe und Mitgefühl suche. Und ich möchte nicht, dass diese Seuche der Gleichgültigkeit, der Apathie und der Egozentrik mich auch ansteckt. Denn, ich möchte Mensch sein. Ich möchte Mensch bleiben.

Die richtigen Fragen führen zu den richtigen Antworten

Ich sehe mir diese Debatten an über Menschen, denen Angst gemacht wird. Die Angst vor Verlust, vor Veränderung, vor Terror. Ich verstehe diese Ängste. Sie sind menschliche Ängste. Ich fühle sie auch. Nur, wir dürfen diesen Ängsten niemals erlauben, uns um ihre Finger zu wickeln und unsere Sicht zu verzerren. Was heißt Verlust? Ist Veränderung schlecht? Wer ist der Terrorist? Vor allem, was heißt Glück? Und nein, das sind keine rhetorischen Fragen, die wir uns stellen sollten. Denn erst wenn wir diese Fragen in ihrer Tiefe und aufrichtig beantworten, dann erst wird unser Blick klar und unsere Handlungen bewusst.

Das habe ich gelernt ...

Meine Eltern waren selbst Flüchtlinge. Mein Vater ist Sunnite und meine Mutter Schiitin. Ich bin deutsche Muslima, die ein Kopftuch trägt. Und ich bin mit all diesem Konfliktpotential aufgewachsen, das mit diesen Gegebenheiten einhergeht. Es war und ist nicht immer einfach, aber ich bin dankbar, dass ich genau unter diesen Bedingungen aufgewachsen bin. Denn ich habe vieles lernen dürfen.

Ich habe gelernt, dass Grenzen künstliche Linien sind, die uns von unserer Einheit abbringen. Ich möchte ein Bürger der Welt sein. Ich fühle mich mit allen Menschen verbunden und ich habe genug Liebe und Mitgefühl für alle. Ich möchte nicht, dass es mir bestens geht, dass ich so viel esse, bis mein Bauch fast platzt, dass ich mir die beste Kleidung leiste und immer die neuesten Handys habe, Bildung und medizinische Versorgung genieße, während auf der Welt Menschen verhungern, für unsere Firmen für einen lächerlichen Tageslohn arbeiten und an harmlosen Infekten sterben, weil die medizinische Grundversorgung fehlt. Dass für sie Bildung ein Luxus ist und Kinderarbeit Normalität. Nein, ich möchte mitfühlen und nicht meine Augen verschließen.

Die Ironie der Natur, wenn es um Glück geht

Die Ironie dieser ganzen Geschichte ist, dass ein Mensch seine Freude verdoppelt, wenn er sie teilt und nicht, wenn er sie für sich allein behält ...Hatten Sie schonmal enorme Lust auf eine Schokolade oder ein Stück Kuchen? Und dann kam jemand und hat es angesehen und Sie dachten sich, "hier, du kannst es haben". Wenn ja, dann wissen sie vielleicht, dass es die beste Schokolade oder der beste Kuchen ihres Lebens war, auch wenn Sie ihn nicht selbst gegessen haben. Ich glaube, wir haben uns auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit verlaufen. Wir müssen uns wieder die Karte des wahren Glücks vor Augen halten und unsere Richtung geradelenken. Wir müssen mehr reisen, mehr mit anderen reden, unser Herz ausweiten und vor allem, wieder Menschen sein.

#Menschlichkeit #Verantwortung