Wie kann es sein, dass sich Menschen oft falsch wahrnehmen? Sie posten tolle Sprüche auf ihrer #Facebook-Seite, verhalten sich aber genau gegensätzlich. Sie halten sich gute und anständige Menschen, doch beleidigen und mobben sie Andere.

Wie fängt ein Mathematiker in der Wüste einen Löwen?

Er baut sich einen Käfig, setzt sich rein und definiert: "Hier ist Außen !" Dieser Witz hat mir aufgezeigt, wie Menschen funktionieren und vor allem warum so oft irrational. Man nennt es aus der Not eine Tugend machen. Ein Beispiel: streng gläubige Muslime bekommen vom Koran viele Einschränkungen und Verbote auferlegt und was tun sie, um sich nicht schlecht dabei zu fühlen? Sie machen aus der Not eine Tugend und definieren: "Wir leben ein anständiges, ehrenvolles Leben, anders als ihr sündigen Ungläubigen und deswegen kommen wir ins Paradies und ihr in die Hölle." Sie sitzen also in einem engen Käfig, definieren aber, dass sie außen sind, die Freien, und wir die Gefangenen.

Der Gottvirus grassiert

Dann gibt es die, die vom, von mir so genannten, "Gott-Virus" befallen sind. Auch Hybris genannt. Noch vor einigen Jahrzehnten sollte der fromme Christ bescheiden sein, Gott anbeten und dessen Gebote befolgen. Die Zeiten sind vorbei. Jetzt ist jeder sein "own personal Jesus" (Depeche Mode) und jeder denkt sich: "Ich mache mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt." (Pippi Langstrumpf) Jeder definiert nun die Do's und Don't's für sich selbst. Es gibt keinen allgemein gültigen Benehmenskodex mehr, Knigge ist verpönt. Wenn aber jeder tut, was er will, dann ist das so, als würde im Straßenverkehr jeder nach seinen eigenen Regeln fahren. Wenn es dann knallt, ist natürlich der andere Schuld, weil er sich nicht an meine Regeln gehalten hat. Und dann denken sich diese selbsternannten Götter: "Wenn nur nicht alle um mich herum solche Idioten wären, sich völlig daneben benehmen, völlig falsch leben, sich völlig falsch verhalten würden und dazu noch vollkommen bescheuerte Ansichten hätten, dann müsste ich mich nicht so oft über sie aufregen. Weil die mich aber verrückt machen, hab ich keine Nerven mehr, freundlich und höflich zu sein und außerdem, hey ich bin Gott, ich muss mich nicht gut benehmen, ich darf Starallüren haben." Und wenn dann Leute aufeinander treffen, die vom Gottvirus befallen sind, knallts natürlich. 

Die Hölle, das sind die Anderen

Und dann erlebt man, was J.P. Sartre in seinem Stück "Geschlossene Gesellschaft" sagen lässt: "Schwefel, Scheiterhaufen, Rost... Was für Albernheiten. Ein Rost ist gar nicht nötig, die Hölle, das sind die andern". Diesen Satz zitiere ich oft und sage ihn auch zu mir, um mir immer wieder bewusst zu machen, was er bedeutet: jeder denkt, die ANDEREN sind die Hölle, nicht man selbst, dabei ist man selbst auch oft die Hölle für jemanden anderen. Aber diese Einsicht fehlt den gottgleichen Menschen.

"Bedenke, du bist nur ein Mensch"

Sie bräuchten jemanden, wie die römischen Sieger auf ihrem Triumphwagen, der hinter ihnen steht und sie immer wieder daran erinnert, dass sie Menschen sind und keine Götter. Die meisten Menschen haben aber eher oberflächliche Freundschaften. Diese funktionieren nach dem Prinzip:"Du und ich, wir sind die Größten und alle anderen Deppen". Jemand, der dann kommt und sagt:"Ne, ganz so ist das nicht", der ist nicht gut gelitten. So etwas darf bestenfalls ein sehr guter Freund sagen. Aber viele haben keinen solchen oder beide haben nicht das Bedürfnis, nicht mehr als Götter da zu stehen. 

Größer sein, wenn man andere klein macht

Ein weiterer Grund, andere auf der psychologischen Schiene zu attackieren, ist das verlockend einfache Prinzip: "Wenn ich dich klein mache, stehe ich weit über dir. Das ist weniger anstrengend, als wenn ich mich durch gute Taten, Können, Wissen o.ä. größer mache." Außerdem scheint mir, dass diese Menschen weit unempfindlicher gegenüber Ruppigkeit sind, als ihre Opfer. Sie brauchen keine angenehme, harmonische Atmosphäre und können wohl nicht verstehen, warum andere leiden, wenn sie fehlt.  #Hatespeech #Mobbing