Wer hätte das gedacht. Forscher des Magazins Psychology of Men and Masculinity haben in einer Studie über den misogynen Einfluss von Männermagazinen die verblüffende Feststellung gemacht, dass Leser sexistischen Inhalts in vielen Fällen auch sexistisch denken und handeln. Sie interpretieren die Studie dahingehend, dass die vermittelten Männlichkeitsbilder frauenfeindliches Gedankengut generieren.

Ob das allerdings daran liegt, dass sie automatisch das zufällig vor ihnen erscheinende Material wie einen Schwamm aufsaugen und unreflektiert in ihr Weltbild integrieren, sei dahingestellt. Eine Bestärkung bereits vorher bestehender Meinungen über Frauen und den Umgang mit ihnen, kann man nun jedoch Men’s Health, Playboy und jeder Form von Männermagazinen bedenkenlos unterstellen.  

Die Ironie des Sexismus 

Dass diese drei Studien nun beantworten können, wie und ob Männermagazine sexistische Vorurteile formen, ist zweifelhaft. Schließlich funktionieren die Inhalte der Zeitschriften über Zielgruppengenerierung. Produziert wird das, was potenzielle Konsumenten ansprechen wird. Die bloße Existenz von Magazinen, die exakt ein Geschlecht ansprechen wollen, sollte Anlass genug sein, um zu erkennen, dass #Sexismus und die damit einhergehende Abwertung der Frau bereits lange vor Hanteltrainingstipps und Grillsaisonrezepten ein nicht wegzudenkender Teil unseres gesellschaftlichen Gefüges war.  

Eine der dringendsten Fragen der Forscher beschäftigte sich mit der angeblichen Ironie, mit der die Produzenten von Männermagazinen werben. So argumentieren sie, dass die Witze über ewigshoppende, unter dem Einfluss ihrer Periode dämonisch degenerierender Frauen nicht ernst gemeint sein könnten und dies jedem Leser klar wäre. Leider hat sich herausgestellt, dass dies einigen Lesern tatsächlich völlig unklar ist: Die Ironie misogyner Witze ist losgelöst von jedem Kontext, auch dem des ironischen Männlichkeitsfetischs, für manche einsehbar und für andere kaum. Besonders fragwürdig ist diese Ironie in Bezug auf nur allzu oft genutzte Vergewaltigungswitze, die die Grenze zwischen Sex und Missbrauch gewaltig verschwimmen lassen.

Peter Hegardy, Professor für Psychologie an der University of Surrey und Studienautor, wurde von Vice Broadly zu dem Thema interviewt und sagte, dass die Magazine „generell ausweiteten, welche Formen von Sexismus von Männern als normal eingestuft werden." Allerdings klärt sich dadurch nicht, ob die Leser der Magazine von vornherein Einstellungen haben, die noch sexistischer und abwertender sind als die der sogenannten Norm.

Sexismus ist mehr als ein Männermagazin

Gesellschaftliche Bilder von weiblicher Kleinkindähnlichkeit und angeborener männlicher Dominanz fallen oft erst in ihren extremsten Formen auf: Klischeehafte Darstellungen von Schuhüberschuss in Frauen- und Männermagazinen führen seltener zu öffentlichen Vorwürfen trotz ewig gleicher ästhetischer und sexueller Vorschläge dank naturalisierter Unterschiede zur Rettung der eigenen Beziehung. Die Steinzeit ist brandaktuell und allgegenwärtig, Männermagazine sind bloß die Spitze. Sollten Männer, die die Magazine nicht lesen, nur einen von drei gewaltverherrlichenden Witzen gut finden, sagt das nichts über die fortschrittliche Denkweise der Restgesellschaft aus, sondern ist bereits ein riesiges Problem. Muskelmagazine greifen bloß die Problematik auf und nutzen sie gewaltig, um männliche Selbstzweifel mithilfe von Proteinshakes und Pick-up-Strategien zu verringern. Die Vorurteile werden allerdings nicht geformt, sondern nur genutzt. Erniedrigte Frauen waren schon immer die schönste Möglichkeit, das gekränkte männliche Ego wieder aufzublasen. #Männermagazin #Gender