Heute sprach ich zum ersten Mal den berüchtigten Satz, den ich bisher mied: Du kannst den Medien nicht alles glauben. #Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Wer hätte das geglaubt?! Die Medien lagen komplett falsch und es stellt sich die Frage: Wie kommt das? Wie konnten sie mit Ihren Umfragen so irren?!

Ich kann diese Frage nicht beantworten und möchte nicht spekulieren. Das überlasse ich anderen. Ich möchte aber Trumps Wahlsieg verteidigen, weil ich die Aufregung und Hysterie nicht nachvollziehen kann.

In den letzten Monaten beobachten wir zutiefst undemorkatische Debatten. Allerdings nicht unbedingt von Trump sondern von Mainstreamedien und einen großen Teil der Bevölkerung.

Trump wird nachzu in allen Kanälen verhöhnt und gefürchtet; und doch hat er es geschafft. In Kürze werden wir das erste undemokratische Argument vernehmen: Das Volk hat falsch entschieden. Gleich gefolgt vom zweiten undemokratischen Argument: Es hat falsch entschieden, weil es ungebildet ist. Die Arroganz, die sich hinter diesen Argumenten versteckt, ist kaum noch zu überbieten.

Deshalb möchte ich mit dem Philosophen Karl Popper an die offene Gesellschaft und ihre Feinde erinnern.

Warum gilt Trump als ein schlechter Präsident? Weil wir ihm unterstellen, dass er weder rechtschaffend noch kompetent ist. Aber genau solche Qualitäten erwarten wir vom mächtigsten Mann der Welt. Wir setzten also moralische Kriterien an. Doch warum? Ist das nicht undemokratisch? Warum sollte nicht auch ein unmoralischer Mensch Präsident werden, wenn es das Volk wünscht?!

Karl Popper schlug deshalb einen anderen Ansatz vor, um unsere Politiker zu bewerten. Ihn interessierte weniger die Frage, wer regieren sollte. Ihn interessierte vielmehr, wie man politische Institutionen so organisieren kann, dass es schlechten oder inkompetenten Herrscheren unmöglich ist, allzu großen Schaden anzurichten.

Und auch die Gründungsvätter der Vereinigten Staaten hatten diesen bescheidenen Ansatz im Sinne, als sie die Verfassung verabschiedeten. Sie waren eben überzeugt, dass Macht korrumpiert und im Grunde kaum ein Mensch in der Lage ist, lange ein vortrefflicher Herrscher zu sein. Deshalb installierten sie verschiedene Kontrollinstanzen, die sichern sollten, dass ein Einzelner nicht zu viel Schaden anrichten kann. Und auch Trump wird nicht den Weltuntergang herbeiführen. Es wird Veränderungen geben, aber nur auf eine absehbare Zeit. Danach kann ein neuer Präsident seine Vorstellungen umsetzten.

Die Angst vor Trump gründet in meinem Augen in einem falschen Verständnis der #Demokratie. Die Idee der Demokratie fusste nie in der Überzeugung, dass nur moralische, kompetente und gebildete Menschen herrschen sollen. Das sind Argumente, die eine Aristokratie oder eine Alleinherrschaft präferieren. Der Philosoph Platon hatte genau diese Vorstellung im Sinne, als er über Politik nachsinnte: Es sollten nur die Besten und Tüchtigsten herrschen; bloß nicht die ungebildete Mehrheit.

Die demokratische Idee fusst hingegen in der Überzeugung, dass es keine guten Politiker gibt. Warum nicht?! Weil es unmöglich ist, dass ein einzelner Mensch die ganze Bevölkerung zufriedenstellen kann. Deshalb haben wir das rotierende Prinzip in der Demokratie. Heute siegte Trump; in vier Jahren wird es vielleicht jemand anderes sein. Bis dahin heißt es: Schadensbegrenzung. Und die Vereinigten Staaten haben einige check & balances, die verhindern, dass Trump das Land komplett vor die Wand fahren kann.

Also keine Panik. Und sollten Sie doch Panik haben, empfehle ich Karl Poppers epochales Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. #US-Präsidentenwahl