Eins gleich mal vorneweg: ich bin weder eine Gegnerin von Musik- oder Sportstunden, noch von Handy oder Internet, bin sehr wohl dafür, dass #Kinder - altersgerecht - gefördert und gefordert werden. Ich bin eine Verfechterin des lebenslangen Lernens, und mache mich damit bei meinen Kindern auch mal ziemlich unbeliebt.

Doch eines müssen, besser gesagt, dürfen meine Kids auch lernen: sich zu langweilen! Einfach mal NICHTS tun.

Müssen sie den ganzen Tag beschäftigt werden, brauchen sie ständig Input? Spiele, in denen jegliche Restfantasie begraben wird? Weil ihnen sonst fad werden könnte? Es gibt Kinder, die nichts mehr mit Bauklötzen anzufangen wissen. Einfach deshalb, weil nichts vorgegeben ist. Die vor einem weißen Blatt Papier sitzen, und nicht wissen, was sie zeichnen sollen, weil keine Linien vorgezeichnet sind oder kein Thema vorgeschlagen wird. Und genau solche Dinge haben mich nachdenklich gemacht.

Nein, es soll Langeweile aufkommen! Dann erst beginnt Fantasie und Kreativität, dann beginnen sie, außerhalb der Normen zu denken und zu handeln. So wie es Kleinkinder in der Sandkiste machen. Nur wir haben es ihnen wieder verlernt. Wir bringen sie vom Kindergarten in die Ballettstunde, in den Geigen- oder Sprachunterricht, wir malen mit ihnen Mandalas, bauen Playmobilhäuser auf (nicht falsch verstehen, ich liebe Playmobilspielen mit den meinen), kaufen interaktive Lernbücher, fördern ihre Feinmotorik, besuchen Bastelworkshops, lesen abends Bücher vor, bis sie eingeschlafen sind, und so weiter....Alles tolle Dinge, aber wo bleibt die Zeit, um das alles zu verarbeiten und etwas daraus mitzunehmen? Nicht nur Noten nachzuspielen, sondern eigene Melodien zu versuchen, nicht nur nach Anleitung basteln, sondern einfach mal drauf los, egal was rauskommt, das Einfamilienhaus darf auch mal zerlegt und in eine Zauberschule umgewandelt werden.

Unsere Kinder haben nicht mehr die Zeit, in den Leerlauf zu schalten. Es prasseln so viele Eindrücke auf sie ein, aber sie können sie nicht mehr für sich verwenden.

aktueller Status: Leerlauf

Wir Erwachsenen meditieren, damit wir den Kopf frei bekommen. Das müssen wir uns erst mühsam wieder aneignen. Während der Woche funktionieren wir, erledigen dies und jenes, hinter jedem Tun steckt ein Sinn. Sinnlos ist wertlos. So kommt mir die heutige Zeit vor. So fühlt man sich, wenn man sagt, dass man mal absolut nichts tut. Sich langweilt. Doch erst dann wird der Kopf frei, befinden sich die Gedanken im Leerlauf.

Inspirieren lassen

Beobachtet doch mal Kinder, wenn ihr ihnen die Chance gegeben habt, sich richtig zu fadisieren: zuerst sitzen sie rum (klar, wir haben ihnen jede Ablenkung genommen, kein Fernsehen, kein Smartphone, Playstation, kein Buch oder sonstiges), beginnen zu jammern, wie fad es ist. Doch schon nach kurzer Zeit wird aus den Decken und Polstern ein Ritterschloß und aus dem Kochlöffel ein Schwert. Der kleine Bach wird zum reißenden Fluss und ein Blatt zum Piratenschiff. Im Wald lassen sich super Verstecke bauen, es werden Rehe beobachtet, die gepflückten Himbeeren verwandeln sich in ein 3-Gänge-Menü. Teenager beginnen plötzlich, sich mir dir zu unterhalten (das grenzt ja meistens an ein Wunder) und entdecken die Welt außerhalb von Snapchat oder Musically, die Kinder werden plötzlich zu Kapitänen, Eroberern, Entdeckern, Wissenschaftlern, Häuslbauern, Lehrern, usw...

Erst durch den totalen Leerlauf im Kopf können sie wieder beginnen, in ihrer Fantasie neue Welten zu entdecken.

Neue Höhen entdecken

Ich bin der Meinung, dass sich Kinder erst dann wirklich gut entwickeln, wenn man sie nicht den ganzen Tag beschäftigt. Sie sollen Bücher lesen, ein Instrument lernen, können auch Apps verwenden, doch sie brauchen den Leerlauf, um all die Eindrücke sacken zu lassen und sich von ihnen inspirieren zu lassen.

Erst dann können sie sich zu fantasievollen, kreativen Persönlichkeiten entwickeln, die auch mal über den Tellerrand hinausblicken und selbstbewusster durchs Leben gehen. #Gesellschaft #Erziehung