"#Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit." schrieb Immanuel Kant 1784. Eine Revolution folgte in Europa, gewaltig entlädt sich der Unmut über Frankreich, Deutschland und Russland sollten auch heftig gebeutelt werden. Aus der heutigen Sicht ist die Aufklärung notwendig gewesen, die damit verbundenen Bürgerkriege schlimm. Diese Opfer, die der Krieg gefordert hat, müssen uns im Kopf sein, wenn wir über das Erbe nachdenken, das wir zu verwalten haben.

"Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen", ging Kants Erklärung seiner Philosophie weiter. Selbstbestimmung, Freiheit, die Bedeutung des Individuums. Viele große Begriffe scheinen mit dem Pamphlet verknüpft zu sein, vielleicht damit erst eine Legitimation erhalten zu haben.

Kant und die PEGIDA

Was aber, wenn die Menschen gar nicht mündig werden wollen? Ist es denn einfach sich seinen eigenen Verstand dienbar zu machen? Zwingt man den Menschen damit nicht geradezu einen schweren Lebensstil auf, scheinbar zu schwer für sie? "Das beste Argument gegen eine Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit dem Wähler", wird Churchill oft zitiert. Die Grundidee der Aufklärung scheint also, die Massen nicht so verändert zu haben, wie im späten 18. Jahrhundert erhofft.

Es besteht offensichtlich eine Diskrepanz zwischen dem Wollen und dem Vollbringen, mit einer Portion Zynismus könnte man Paulus Worte umdrehen: Das Fleisch ist willig, der Geist ist schwach. Die Bevölkerung ist der Aufgabe nicht gewachsen, sich umfassend zu informieren und kluge Entscheidungen zu treffen, so hört man zumindest viele Kritiker sprechen, vor allem wenn es um rechte Bewegungen in Europa oder Amerika geht. Was also tun, wenn PEGIDA-Anhänger kompromittiert werden und ihnen fehlende Bildung unterstellt wird? Was tun, wenn ebenjene Anhänger jegliches Medium, das ihre Meinung nicht widerspiegelt als "Lügenpresse" bezeichnen? Wo ist die Lösung, wenn "aufgeklärte" Menschen sich ihre Informationswege aussuchen und nicht offen sind für andere? Redner, klassisch als "Demagogen" beschimpft, scheinen die Unmündigkeit auszunutzen und viel Erfolg damit zu haben.

Boulevard-Presse hilft aus

Zum Glück haben wir ja noch viele andere Medien, die keine rechtslastigen Artikel bringen. Aber leider aber auch nicht dialektisch an die Berichterstattung gehen, keine unterschiedliche Meinungen zuzulassen scheinen. Wenn Kant hier nach der #Mündigkeit der Leser fragen würde, wäre er also vermutlich nicht glücklicher. Immerhin ist die Meinung dieser Zeitungen - etwas - sozial akzeptierter. Also ist es nicht schlimm, dass Deutschland unreflektiert durch sein Leben geht. Oder wurde doch eine andere Intention verfolgt, als einer der größten deutschen Denker seine Schriften veröffentlichte?

Ich habe viele Artikel gelesen, in denen geschrieben wurde, was die Aufgabe des Journalismus hierbei wäre. Wenige Lösungsansätze schienen mir machbar, denn eine Zeitung oder auch jedes andere Medium ist gleichzeitig gebunden an den ökonomischen Grundlagen. Das bedeutet, ohne Leser wird es die Zeitung nicht lange geben. Medien liefern, was die Konsumenten wollen, Absatzzahlen sind ohne Frage der Überlebens-Barometer. Wenn die ARD befindet, dass Fußball zum Bildungsauftrag gehört, dann glaube ich persönlich, dass das nicht an dem wissenschaftlichen Wert der Analysen in der Halbzeit liegt. Die Frage sollte also nicht lauten, was können die Medien tun. Sie sollte lauten, was kann Deutschland tun, eingeschlossen die Medien, aber auch das Bildungssystem, die Erziehungs-Philosophie, der Interaktion des Staates mit seinen Bürgern. Mündigkeit entsteht nicht durch Hoffen und Abwarten. Oft wird die Aufklärung mit dem Jahre 1800 als abgeschlossen datiert. Hoffentlich ist das nicht wahr, denn sie hat noch viel an der Bevölkerung zu arbeiten.