Plötzlich tauchen neue Begriffe auf, einfach so. Das Wort "unkaputtbar" wurde von einer Werbeagentur für Coca-Cola erfunden und damit die in den Neunzigerjahren erstmals vertriebenen Plastikflaschen beworben. Neu in jüngerer Vergangenheit waren "Lügenpresse" und noch ganz ofenwarm ist "Fake-News", und das ist ein Problem. Über das Wort "Lügenpresse" wurde schon viel geschrieben. Manche sehen dessen Herkunft in der russischen Propaganda, andere entdecken darin ein "Made in Sachsen" im Umfeld von Pegida. Letztendlich ist es egal. Denn Tag für Tag erfindet irgendwo, irgendwer, irgendwie ein Wort. Ob es dann allerdings eine Karriere wie die "Lügenpresse" hinlegt, das steht auf einem anderen Blatt.

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Die Erfindung von Worten ist alte Propagandaschule, aber man sollte auch wissen, dass man neue Worte zwar säen kann, aber ob sie zur Blüte gedeihen, das ist eine ganz andere Frage. Ohne den entsprechenden Mutterboden wird aus einem neuen Wort ein Rohrkrepierer. Gehen wir also einen Moment - rein theoretisch - davon aus, das Wort „Lügenpresse“ sei eine Erfindung der russischen Propaganda. Na und? Das Problem liegt doch nicht darin, dass irgendwer dieses Wort ins Spiel brachte. Das wahre Problem ist, dass offenbar Millionen von Menschen nur darauf gewartet haben, dass sie endlich einen Namen für das haben, was in ihrem Kopf ohnehin schon kreiste.

Das Volk ist erwachsen!

Zu glauben, es müsse nur ein böser russischer Propagandist kommen und schon schreit ganz Deutschland "Lügenpresse" würde zwingend die Annahme voraussetzen, ein erheblicher Teil der Deutschen sei einfach nur dumm.

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Da hilft es auch nicht, wenn Präsident Gauck salbungsvolle Worte dazu findet. Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollten sich die deutschen Kollegen mal an die eigene Nase fassen - nicht alle, natürlich nicht, aber doch zu viele. Dass ich nach meiner Zeit in Nahost direkt zu einer kleinen News Agency in die USA gewechselt bin, ist kein Zufall. Es ist die Folge dessen, dass in deutschen Redaktionsstuben eine gutmenschelnde Selbstzensur herrscht, die doch recht atemberaubend ist. "Weltanschauungspresse" würde ich es nennen, um mal selbst in das Worteerfinden einzusteigen.

Sind Fake-News neu?

Die neuste Sau, die durch das Dorf getrieben wird, sind jetzt die "Fake-News". Die deutsche Regierung geht nämlich davon aus, dass ausländische Mächte Einfluss auf die Meinungsbildung in Deutschland nehmen wollen. Die BILD hyperventiliert bei diesem Thema aktuell geradezu. Doch ausländische Mächte haben schon immer in deutsche Wahlkämpfe eingegriffen. Früher waren es die DDR, die USA und die Sowjetunion.

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Heute sind es vermutlich die Russen, die Chinesen, die Türken und auch der eine oder andere kleinere Akteur, den man gar nicht auf dem Schirm hat. Die UdSSR hatte damals die deutsche Friedensbewegung fest im Griff und selbst einen Kanzlerwechsel in der BRD hat die DDR-Stasi 1972 verhindert. Die Genossen aus Ost-Berlin haben Willy Brandt (SPD) und seine moskaufreundliche Regierung mit Bestechungsgeldern und IMs der Stasi bei einer geplanten Abwahl (Misstrauensvotum) im Amt gehalten wurde. Wer es nicht glaubt, möge es googeln.

Fake-News, na und?

Was heute als "Fake-News" hochgekocht wird, sind also lapidare Versuche diverser ausländischer Medien, Einfluss auf die deutsche Willensbildung zu nehmen. Na und? Man muss schon von einem sehr, sehr verblödeten Volk ausgehen, dass sich von so etwas in seiner Meinungsbildung beeinflussen lässt. Und auch wenn die PISA-Studien jetzt nicht gerade dafür sprechen, dass Deutschland ein Land der Intelligenzbestien ist, so kann man doch davon ausgehen, dass weder Propaganda in "Social Media" oder traditionellen Medien irgendeine weitreichende Konsequenz haben wird. Auf jeden Fall niemals so weitreichend wie einen Kanzler mit Bestechungsgeldern im Amt zu halten. Stattdessen droht mit dem Kampfbegriff "Fake-News" eine Art von Zensur durch die Hintertür. Die #Pressefreiheit in Deutschland ist gerade in akuter Gefahr. #Fake News #Angela Merkel