Wer spricht jemanden schon in der Öffentlichkeit an? Wer fängt Gespräche mit seinem Sitznachbarn im Bus oder im Zug an? Wer geht auf die reizende junge Dame zu, die gerade ihren Latte genießt und eine Lektüre liest, die nur als Alibi dient, damit sie im Café nicht so verloren wirkt? Und genau das sind „Wir“! Verloren in der realen Welt.

Natürlich bringen die sozialen Plattformen ihre Vorteile mit sich, da so Kontakte über die Grenzen der eigenen vier Wände geknüpft werden und auf das bequeme Art und Weise. Doch sind diese wirklich so sozial?

Seit knapp über zwei Jahren existieren Seiten, die mit dem Namen „Spotted“ betitelt werden und den Usern ermöglichen, Personen zu suchen, die sie in der näheren Umgebung gesehen oder „verpasst“ haben, anzusprechen.

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Und so funktioniert es:

Der User der Plattform schreibt die „Spotted-Seite“ privat an und gibt einen Text vor, den das Admin-Team anschließend veröffentlicht. Der Text beinhaltet Beschreibungen über das Aussehen und den Ort der Sichtung der jeweiligen gesuchten Person. Anschließend können andere User kommentieren, ob besagte Person bekannt ist und auf die Beschreibung zutrifft und diese anschließend verlinken oder die besagte Person meldet sich selbst zum Post, was aber eher selten der Fall ist. Doch wie effektiv sind diese Suchanfragen über diese Seiten?

Oft wird der Sucher kritisiert und nicht ernst genommen. „Warum spricht er sie nicht direkt an?“, wird häufig gelesen. Nun, die Kritik wird so gesehen in die Luft geschrieben, da der Auftraggeber immer anonym bleibt und so nicht Preis gibt, wer hier eigentlich sucht.

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Doch ist das wirklich sozial, Informationen über eine Person zu erfragen, ohne eigene persönliche Dinge preiszugeben? Reagiert die oder der Gesuchte wirklich positiv auf die Anfrage, wenn uns schon unbekannte Anrufer den letzten Nerv kosten?

Die Kommentare und die Meinungen der „fremden“ User macht es nicht einfacher. Social Media-Nutzer ersuchen meist Menschen aus ihrer Freundesliste und verlinken diese auf die Suchanfrage. Die Verlinkten melden sich umgehend und geben schnell zu verstehen, dass sie damit definitiv nicht gemeint sind. Dass es sich bei den Verlinkungen um einen Scherz handelt, erkennt man auch oft daran, dass eigentlich nach einer Frau gesucht wird, jedoch ein Mann verlinkt wird. „Was ein Brüller.“ Hätte der Auftraggeber diese unnötigen Kommentare und Kritiken nicht umgehen können, wäre er bereit gewesen, das direkte Gespräch zu suchen? Wie sympathisch wirkt es, wenn jemand hinter einem Bildschirm sitzt und Informationen erspäht, die er gut und gerne direkt von der gesuchten Person erfahren hätte, zumal er diese Person ja bereits gefunden hat.

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Meist handelt es sich um die Kassiererin von Laden neben an oder um den Jungen, der jeden Dienstag im selben Fitnessstudio die Gewichte stemmt.

Neben der Bequemlichkeit, die uns die sozialen Medien bieten, ist es fraglich, ob wirklich soziale Kontakte geknüpft werden. Wie glaubwürdig ist ein geschriebener Text von einer Person, die in unserer Nähe wohnt, die man aber so noch nie zu Gesicht bekommen hat? Es wirkt schon so als hätten viele verlernt, Menschen sozial zu kontaktieren und in Gespräche zu verwickeln. Es wirkt schon leicht verkrüppelt, unser sozialer Umgang mit unseren Mitmenschen.

Eins ist jedoch sicher. Die Geschichten von unseren Eltern und Großeltern über das Kennenlernen ihrer jeweiligen Partner, werden in den Köpfen der heutigen Generation nicht mehr sein, als eine dieser Storys, die schon zuhauf über die Kinoleinwand laufen. Einzig die bearbeiteten Bilder mit Texten auf den User-Profilen und Pinnwänden der öffentlichen Seiten erinnern dann noch an eine Zeit, in der ein Gentleman die Lady mit einem frech-amüsanten Spruch zum Café einlädt. #Twitter #Generationen #Facebook