Das Attentat von Berlin wirft noch viele Fragen auf. Zwei davon sind jedoch derart merkwürdig, dass selbst Experten staunen. Da wäre zunächst der von den Blättern des Springer Verlages dokumentierte Verdacht, dass der Pegida-Protagonist #Lutz Bachmann nur zwei Stunden nach dem Terroranschlag mehr zu wissen schien als jeder sonstige Mensch in diesem Land. Als der tapsige und im Feld der inneren Sicherheit eher unbeschlagene Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) noch irgendetwas Absurdes von einer Unfalltheorie in die Fernsehkameras plauderte und besorgte Leser Zeitungsredaktionen mit Protesten überschütteten, weil diese gewagt hatten, über einen islamistischen #anschlag zu spekulieren, setzte Lutz Bachmann auf Twitter eine Nachricht ab.

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Die hatte es in sich, denn sie enthielt knallhartes Wissen, das erst gut zwei Tage später öffentlich wurde: "Interne Info aus Berliner Polizeiführung: Täter tunesischer Moslem. Dass der Generalbundesanwalt übernimmt, spricht für die Echtheit". Mittlerweile hat Herr Bachmann dieses Posting gelöscht. Bei Twitter wunderten sich zahlreiche Nutzer, woher Bachmann dieses Wissen direkt nach dem Attentat erhalten hatte. Der Pegida-Initiator brüstete sich laut Springer Medien damit, Zugang zu Polizeiwissen zu haben: "Man braucht nur die richtigen Verbindungen und einen Whistleblower, der die ganzen Lügen satt hat." Dann die Kehrtwende am Donnerstag. Bachmann twitterte: "Liebe Presse, ich gebe zu, ich hatte natürlich meine #Glaskugel und keinen Informanten. Und jetzt bitte Ruhe geben, ok?"

Nein, nicht ok!

Gute Beziehungen und Quellen in Sicherheitskreise hinein sind zwar für Journalisten nichts Neues.

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Ohne Whistleblower wäre Journalismus kaum möglich und ohne gute Kontakte zu Menschen, die jemanden kennen, der einen kennt auch nicht. Wenn aber der Häuptling von Pegida kurz nach einem Terroranschlag extrem viel mehr weiß als der zuständige Innensenator, dann hat Deutschland ein Problem. Nicht wegen Herrn Bachmann, sondern mit der Wahrheit. Denn wenn der Innensenator der Bundeshauptstadt zu genau jener Zeit im Fernsehen die Unwissenheit vom Lande gibt, während Herr Bachmann brandheiße News twittert, bleiben rein logisch nur drei Möglichkeiten: Erstens Innensenator Geisel hat gelogen, zweitens er war ehrlich und wurde von seinen eigenen Leuten erst ganze zwei Tage später informiert als ein externer Pegida-Aktivist, oder drittens Herr Bachmann besitzt wirklich eine phänomenale Glaskugel und sollte auf dem Jahrmarkt als Wahrsager anfangen.

Was sagt die Politik?

CSU-Bundespolitiker Hans-Peter Uhl zu BILD: „Wie kann es sein, dass der Pegida-Frontmann überhaupt hochbrisante Ermittlungserkenntnisse besitzt und diese dann zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als der zunächst verdächtige Pakistaner längst als gefasst gilt.

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Diesen Sachverhalt muss die Berliner Polizei erklären." Der grüne Konstantin von Notz kann sich, demselben Blatt zufolge, einen irren Zufallstreffer durchaus vorstellen und beweist damit eine entspannte Offenheit gegenüber dem Übersinnlichen - oder einen etwas eigenen Humor. Dennoch rät auch er zu überprüfen, ob es innerhalb der Berliner Polizei etwas zu mitteilungsbedürftige Beamte gibt.

Und dann noch die Ausweise!

Als wäre die Hellseherei à la Bachmann noch nicht erstaunlich genug, handelt es sich beim Berliner Anschlag um den dritten seiner Art, bei dem die Attentäter ihre Ausweise im Tatfahrzeug "verloren" haben. Das war schon beim LKW-Attentat von Nizza der Fall, bei dem über achtzig Personen starben, wie auch beim Terrorangriff auf die Redaktion der Zeitschrift Charlie Hebdo, bei dem zwölf Journalisten und Mitarbeiter ermordet wurden. Auch damals fand die Polizei die Papiere des Täters im tatbezogenen Fahrzeug. Zufall? Verlieren islamistische Terroristen regelhaft ihre Geldbörsen, wenn sie Amok laufen? Es gibt keine verlässlichen Antworten auf diese Frage, doch der Sachverhalt sollte dokumentiert werden, denn er kann vielleicht eines Tages dazu beitragen, das Geschehen besser einzuschätzen.