Unsicherheit ist heute wohl das dominierende Gefühl bei der Mehrheit der Europäer. Themen wie Migration, Terror, Krieg und ökonomischer Wandel dominieren die Medien. Im vergangenen Jahr ist die politische Rhetorik härter geworden. Mit dem Zuwachs der AfD stieg proportional auch der Druck auf die Kanzlerin und die große Koalition. Die Anschuldigungen sind groß: Hat die Politik die Bürgernähe verloren? „Spricht“ die Politische Elite nicht mehr die Sprache der Bürger?

#Donald Trump verkörpert für viele die Unsicherheit, welche das politische Klima momentan dominiert. Denn, wer weiß was der gewählte Präsident in seiner Amtszeit wirklich umsetzen wird.

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Zudem steht die Zukunft der Europäischen Union, so scheint es, in den Sternen. Mit dem Brexit haben die Briten gefühlt einen Stein ins Rollen gebracht und so wird nun bereits über einen „Frexit“ spekuliert. Denn, soviel ist sicher, sollte bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2017 Marine Le Pen gewinnen, wird es eine harte Probe für den Zusammenhalt der Europäischen Union.

Also, wie konnte es so weit kommen?

Der polnische Soziologe Zygmunt Bauman sieht eine psychologische Erklärung hinter der Unsicherheit. Bauman postuliert der Mensch benötige zwei große Konstanten im Leben: Sicherheit und Freiheit. Sicherheit ohne Freiheit ist Sklaverei und Freiheit ohne Sicherheit ist Chaos. Es herrscht das Gefühl keine festen Strukturen zu haben auf die man sich verlassen kann, so Bauman. Sogar die mächtigsten Regierungen können das Bedürfnis nach Stabilität nicht stillen.

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„Wir laufen auf einem Minenfeld. Wir sind uns der Gefahr bewusst, wissen aber nicht wann und wo es explodieren wird.“ Beschreibt Bauman die Momentane Lage. Diese konstante Unsicherheit schürt die Angst der Menschen und den Wunsch, dass die Politik eine „magische“ Lösung für diese Situation findet.

Populisten zehren hier von dem Gefühl, dass Demokratie nur stark in Worten, nicht jedoch in Taten sei. Die Erinnerung an Zeiten totalitärer Politik verblasst zusehends in den jüngeren Generationen, oder ist zu abstrakt um sie auf die heutige Situation beziehen zu können. Das führt dazu, dass Menschen sich zunehmend von Politikern mit postfaktischer Rhetorik angesprochen fühlen, die ihnen mit Erklärungen und vermeintlichen Patentlösungen für ihre Probleme das Gefühl geben, dass ihre Stimme gehört wird und sie endlich jemand in der Politik versteht.

Woher kommt die Angst?

Die größte Unsicherheit haben eigentlich die, deren Heimatland in Trümmern liegt. Die wegen Terror und Verfolgung, aber auch wegen Krankheit ihr vertrautes Umfeld verlassen mussten, in der Hoffnung auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit.

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Gerade noch standen die Flüchtlinge mitten im Leben. Mit einer Familie, einem Beruf, sozialem Ansehen und einem festen Einkommen. Plötzlich haben sie alles verloren und leben nun faktisch in einer zwei-Klassen Gesellschaft auf einem fremden Kontinent , in einer fremden Kultur, die gerade darüber streitet, ob sie fremde Einflüsse so toll findet. So klein diese auch sein mögen. Vielleicht fühlen sich einige Menschen durch #Flüchtlinge deshalb so verunsichert, weil die Schicksale der Geflüchteten all die Ängste der Menschen in Europa repräsentieren: Angst vor Verlust von Vertrautem, selbst Geschaffenem, das das eigene Leben prägt.

Wie jeder Psychologie bestätigen kann, ist der einzige Weg Ängste zu überwinden, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Das bedeutet den Dialog mit seinen Mitmenschen zu suchen und sich über Themen die einen selbst beschäftigen möglichst differenziert zu informieren. In Zeiten von politischem Populismus ist es fatal politische Parolen nicht zu hinterfragen und Nachrichten aus nur einer Quelle direkt zu akzeptieren. Gerade in Anbetracht der Wahlen 2017 in Frankreich und Deutschland, ist es umso wichtiger sich politisch zu bilden und seine Meinung auch zu vertreten. Was unsere Gesellschaft benötigt, ist mehr Dialog, nur so kann Populisten Einhalt geboten und die Demokratie gestärkt werden. #postfaktisch