Seitdem in den USA Vladimir Putin für den Sieg Donald Trumps verantwortlich gemacht wird, scheinen auch deutsche Politiker "den Russen" als bösen Wolf zu halluzinieren. Gerade so, als sei die Einmischung ausländischer Regierungen in Wahlen etwas Neues. Speziell in Deutschland hat man schon viel Schlimmeres gut überstanden. So blieb Willy Brandt 1972 nur deshalb Kanzler, weil Abgeordnete von der DDR bestochen worden waren. Was nach einer Verschwörungstheorie klingt, stammt von der offiziellen Seite des Deutschen Bundestages. Dort steht: "Waren Abgeordnete bestochen worden? (...) Die Antwort kam aber erst nach der Wende: Da enthüllte der frühere DDR-Spionagechef Markus Wolf in seinen Memoiren, den CDU-Abgeordneten Julius Steiner mit der Zahlung von 50.000 DM bestochen zu haben, damit sich dieser beim Misstrauensvotum der Stimme enthielt".

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Wahlmanipulation!

Aus dem Spiegel (Ausgabe 29/1996) lernen wir, dass der Wahlkampf des damaligen russischen Präsidenten Jelzin von Amerikanern gemacht wurde. Die "Amerikaner hatten Boris Jelzins Wahlfeldzug organisiert", so der Spiegel, und "erst nach seinem Sieg präsentierte das US-Magazin Time alle Details des fremden Eingriffs in Rußlands innere Angelegenheiten. (...) Das Honorar für vier Monate Beratung: eine Viertelmillion Dollar. Für den ganzen Wahlkampf gaben Jelzins Leute schätzungsweise eine halbe Milliarde aus, wovon 100 Millionen Dollar private Sponsoren stifteten".

Man lernt nie aus!

Die USA haben 1996 also PR-#Wahlmanipulation für "ihren" Kandidaten Boris Jelzin gemacht. Aktuell beklagen sich die Amerikaner darüber, dass Dokumente geleakt wurden, die nach Aussage von Julian Assange gar nicht von den Russen kamen.

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Außerdem sei im englischsprachigen Programm des russischen Staatsfernsehens Clinton schlecht weggekommen. Und überhaupt hätten die Russen auch im Internet Stimmung gegen Clinton und pro Trump gemacht. Und das nennt man dann also eine "Manipulation" der Wahl? Aha, man lernt sie aus.

Hysterie in Berlin?

Vor lauter Schreck über den Sieg Donald Trumps, scheint die deutsche Politik hysterisch geworden zu sein. Schnell hat man neue Worte aus der Trickkiste geholt, "postfaktisch" und "#Fake News" zum Beispiel. Allerorten wird vor russischer Manipulation gewarnt. "Focus" brachte gar ein Interview mit einem Soziologen, der so schlaue Dinge sagen durfte wie: "Der Kreml gibt viel Geld aus, um die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen. Das weiß ich aus erster Hand. Von Kollegen. Einige Moskauer PR-Fachleute, mit denen ich in der Duma, dem Parlament, zusammengearbeitet habe, sind jetzt damit beauftragt, die russischen Interessen in Deutschland voran zu bringen. Weißt Du, wo der Kreml gerade am meisten Geld aus seinen PR-Budgets ausgibt?, sagte mir kürzlich einer dieser Kollegen: Nicht mehr in Moskau, sondern in Berlin".

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Ja und?

Was will uns das sagen? Dass Präsident Putin die EU schwächen möchte? Ist inzwischen Allgemeinwissen. Dass er Frau Merkel gerne in Rente sähe? Auch keine Neuigkeit, beruht auf Gegenseitigkeit. Spätestens seit klar wurde, dass die deutsche Friedensbewegung der Achtzigerjahre von der UdSSR und der DDR gesteuert wurde, sollte einen so etwas nicht mehr wundern. Was wirklich Sorge bereitet ist, dass die deutschen Politiker so besorgt reagieren. Denn entweder stellen sie sich dumm oder sie sind naiv.

Ganz nüchtern!

Gehen wir also davon aus, dass #Russland per Fernsehen und Internet Stimmung gegen Frau Merkel macht und Gemütslagen etwas befeuert. Nicht neu! So lange Putin keine Wahlmaschinen hacken lässt, was in Deutschland gar nicht geht, weil es keine gibt - so lange ist alles im Lot. Zu glauben, mit ein bißchen Fernsehen, ein paar Webseiten und Internet-Trollen die Meinung in einem Land wie Deutschland nachhaltig beeinflussen zu können, ist reine Geldverschwendung für die Russen. Aber wenn sie es trotzdem wollen, bitte sehr, jeder darf sein Geld verschwenden wie er will. Doch für wie unreif und manipulierbar halten die Berliner Politiker eigentlich das Volk?