Würde man die Zeichen der Zeit richtig deuten, hätte die SPD einen Kanzlerkandidaten genommen, der nicht für all das steht, was in Europa und Deutschland zurzeit schlecht läuft. In Österreich haben die regierenden Sozialdemokraten dies verstanden und umgesetzt. Die SPÖ, also Österreichs SPD, hat den von ihr selbst gestellten Bundeskanzler Werner Faymann - jenen Nachtwächter, der zusammen mit seiner deutschen Kollegin Kanzlerin Merkel (CDU) am Telefon die Grenzen geöffnet hat - gefeuert und durch Christian Kern ersetzt, einen schneidigen Manager. Kern hat als österreichischer Bundeskanzler sofort den Sound geändert und unter Akzeptanz der Realität - in der die nationalliberale FPÖ bei Umfragen auf die 40% Marke zusteuert – begonnen, die Themen der FPÖ zu besetzen. So ähnlich wie Angela Merkel die SPD in Deutschland auf 20% gedrückt hat, indem sie dieser einfach die Themen weggenommen hatte.

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Ob die SPÖ und Kern mit dieser Nummer durchkommen ist fraglich, zu Tief ist das Kind im Alpenland in den Brunnen gefallen. Dennoch zeigt es, wie eine Partei auf eine Stimmungslage im Volk zumindest zu reagieren versucht. Mit dem richtigen Typus eines Politikers, mit den passenden Themen und auch ein Stück weit die eigenen Fehler eingestehend.

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Wäre es ein Casting...

Man stelle sich das mit der Suche nach einem Kanzlerkandidaten mal als Casting vor. Dann wird doch niemand ernsthaft abstreiten wollen, dass derzeit jemand gebraucht wird, der diese Anforderungen erfüllt:

  • kritisch gegenüber der EU
  • anti-Establishment
  • einwanderungsskeptisch
  • akzeptabel für die Mitte der Gesellschaft
  • volksnah
  • emotional stabil
  • unbelastet im Verhältnis zu Trump und Putin

Aber Schulz?

Sie Sache mit #Martin Schulz ist jene, dass er keiner einzigen dieser Anforderungen genügt. Er ist der falsche Mann zur falschen Zeit, das Gegenteil des Zeitgeistes, eine Extraportion von dem, das kaum einer mehr will.

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Niemand, der lesen kann, wird bestreiten dass Schulz dies ist:

  • extrem EU begeistert
  • Teil des Brüsseler Establishments
  • offen gegenüber jeder Einwanderung
  • voll auf der Linie des Mainstreams
  • als Schul- und Ausbildungsabbrecher wie auch als #Alkoholiker keiner, mit der man „die Mitte“ anspricht
  • volksfern
  • von sich selbst begeistert
  • emotional aufbrausend
  • belastet im Verhältnis zu Russland und kein Charakter, den Trump ernst nehmen wird

Gab es keinen anderen?

Man kann bei dieser schrägen Personalentscheidung einfach nicht aufhören, sich die Frage zu stellen, warum Sigmar Gabriel der SPD das antut? Dass er selber nicht mag, geschenkt! Aber Schulz? Martin Schulz? Immerhin stellen die Sozis in vielen Bundesländern den Ministerpräsidenten. Olaf Scholz aus Hamburg kann Kanzler, Hannelore Kraft auch und die grundanständige Malu Dreyer erst recht.

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Ja selbst ein Schlitzohr wie Thomas Oppermann oder eine erfahrene Fregatte wie Brigitte Zypries wären passablere Kandidaten als ausgerechnet Martin Schulz.

Was ist das Geheimnis?

Die Personalentscheidung für Schulz, der eine monatelange mediale Vorbereitung vorausging, ist derart komisch, dass man anfängt, ebenso komische Gerüchte zu glauben. Dass Sigmar Gabriel von „interessierten Kreisen ermuntert“ worden sei, den Weg frei zu machen und Schulz zu installieren. Gerade weil dieser eine Art von Gegenargument zum Zeitgeist auf zwei Beinen ist. „Bloß dem Zeitgeist im größten Land Europas nicht nachgeben“, „einen kontrollierbaren Mann der EU-Eliten im Berliner Kanzleramt installieren“, solche Gedanken schwirren plötzlich durch die Luft, von Leuten, die man sonst für normal hält. Sind diese Gedanken nur Schwachsinn oder doch versehen mit einem Funken Wahrheit? Man will sie gerne als Resultate verwirrter Geister sehen. Aber wenn man sich die Fakten so anschaut… #Verschwörung