Volksverräter ist das #Unwort des Jahres 2016. Das gab die Jury der Sprachkritischen Aktion der Technischen Universität Darmstadt am Dienstag bekannt. Das Wort sei "ein typisches Erbe von Diktaturen, unteranderem der Nationalsozialisten", so die Jury. Damit richtet sich der Begriff gegen die Prinzipien unserer Gesellschaft.

"Mut zu Deutschland"

...oder eher zum Hass? Längst drücken #PEGIDA-Sympathisanten und #AfD-Anhänger nicht mehr nur ihre Unzufriedenheit aus. Ferner geht es darum Wut auszuleben, zu hetzen und zu beleidigen. So musste sich Bundespräsident Joachim Gauck im Juni 2016 im sächsischen Sebnitz als Volksverräter beschimpfen lassen.

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Auch Angela Merkel wurde das Wort am 03. Oktober 2016, dem Tag der Deutschen Einheit, in Dresden aus der Menge "besorgter Bürger" zugerufen. "Als Vorwurf gegenüber Politikern ist das Wort in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und die damit für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt", so Nina Janish, Professorin für germanistische Linguistik.

Ideologisch vorbelastet

Schon nach dem ersten Weltkrieg benutzten die Rechtsextremen das Wort Volksverräter, um die Demokraten in der Weimarer Republik zu denunzieren. Mit der Machtergreifung nahmen die Nationalsozialisten den "Volksverrat" in das Strafrecht auf und nutzten ihn zur rechten Propaganda. Der Volksverräter war ein Staatsverbrecher. So scheinen die Rechtsradikalen mehr als 70 Jahre später den Begriff wieder popularisieren zu wollen.

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Sie vertreten die Meinung, dass ihnen in der deutschen Politik kein Gehör geschenkt wird und das undemokratisch sei. Ausgerechnet mit einem Wort wie Volksverräter darauf aufmerksam machen zu wollen, erscheint schon sehr widersprüchlich. Hinzu kommt, dass die Politiker demokratisch vom Volk gewählt wurden.

Flüchtlingsproblematik

Das Unwort des vergangenen Jahres lautete "Gutmenschen" - ebenfalls in Anlehnung an Migration und Flüchtlinge. Laut Angaben der TU Darmstadt erhielt die Jury mehr als 1000 verschiedene Einsendungen, davon galten 80% den politischen Diskrepanzen in Deutschland. Seit 1991 versucht die Sprachkritische Aktion jedes Jahr mit der Wahl des Unwortes die Bevölkerung für ihren Sprachgebrauch zu sensibilisieren.